Quizdidaktik für Unterricht, Weiterbildung und Freizeit

asien5Frage: Warum findet man das interessante Werkzeug eines bayrischen Lehrers mit einer aussagekräftigen Beschreibung zum Thema Quizdidaktik wahrscheinlicher auf einer österreichischen Bildungsplattform, als auf einem deutschen Portal?

Antwort: Weil die Nutzung des Internets für Bildungszwecke in Deutschland offensichtlich noch sehr selten ist. Motivierte Lehrer werden kaum gefördert, wenn sie brauchbare Tools entwickeln. Das schlägt sich in Suchmaschinen-Ergebnissen nieder. Internet-unerfahrene Lehrer oder Ausbilder sind überhaupt nicht in der Lage, die richtigen Seiten zu suchen. Finden sie dennoch etwas, wird die Nutzungsmöglichkeit am besten auf der Basis von Fallbeispielen verstanden. So erging es dem Autor. Die Arbeit von Joachim Jakob weckte seine Neugier, weil er selbst schon tausende von Fragen für die Lernplattform Moodle mit eigenen Werkzeugen produziert hat. Er möchte seinen Pool aus Moodle-Quizzen für die Allgemeinheit verfügbar machen. Dabei stellte er den Nachteil der Beschränkung auf diese verbreitete Plattform fest: Fast alle Bildungsträger nutzen oder kennen sie immerhin, aber nur wenige haben die Kompetenzen zum umfassenden und Unterrichts-wirksamen Einsatz. Die Unterstützung von Lernplattformen ist an den meisten Bildungseinrichtungen mangelhaft, weil Zeit und Geld für die Ausbildung des Personals fehlt.

Daran wird sich kurzfristig wenig ändern. Aus diesem Grunde suchte der Autor nach einem bewährten und schon eingeführten Tool, welches seine vorhandenen Fragen mit geringem Aufwand zur Selbsteinschätzung verfügbar macht, ohne dass dazu ein Moodle-Zugriff nötig ist. Mit dem Lückentextgenerator von Joachim Jakob lassen sich zwar keine zertifizierbaren Lernkontrollen durchführen, weil die angezeigten Ergebnisse nicht gespeichert werden, – die damit produzierten Selbsttests sind jedoch leicht zu erstellen und werden von den Lernwilligen gut angenommen.

Drei Beispiele sind hier zusammengestellt. Der Autor hat  sie mit selbst entwickelten Tools in HTML-Form gebracht und mit dem Lückentextgenerator produziert. Sie dürfen genutzt, kopiert, verändert und weitergegeben werden.

    1. Erdkundetest mit Satellitenbildern: Asien5.html
    2. Ein Sprachtest mit 30 Vokabeln für Köche, welche Deutsch als Fremdsprache sprechen:
      Englisch: Frage1, Frage2, Frage3
      Französisch: Frage1, Frage2, Frage3
      Spanisch: Frage1, Frage2, Frage3
      Die richtigen Lösungen stehen am unteren Seitenende. Sie sind mit Bildern und Mustertexten verknüpft.
    3. Ein Beispiel aus dem Deutschunterricht zum allgemeinen Textverständnis der Ballade vom Erlkönig. Die Buchstaben 2 bis 4 sind bei den längeren Worten zu ergänzen. Parallel zum Ausfüllen der Lücken kann auch der gesprochene Text gehört werden.

erlkoenigMit dem Tool von Joachim Jakob sind vorbereitete Lückentexte in Minuten erstellt. Veröffentlichen sollte man seine Lückentests jedoch nur, wenn die Urheberrechtsfragen geklärt sind. Bei den hier gezeigten Fallbeispielen ist das kein Problem: Die Satellitenbilder sind von der NASA zur allgemeinen Nutzung freigegeben, die DaF-Tests hat der Autor selbst entwickelt und mit CC-BY freigegeben. Goethes Werk ist schon lange gemeinfrei. Beim zugehörigen Erlkönigvideo sind die Rechte zur Einbettung durch die Geschäftsbedingungen der Videoplattform gewährleistet.

FAZIT: Der Aufwand zum Erstellen einer allgemein verfügbaren Quiz-Bibliothek ist überschaubar: Überschlags-mäßig kalkuliert der Autor derzeit mit 1 Euro pro Lücke als Erstellaufwand, wenn das Material vorhanden ist und die Rechte geklärt sind. Das wären beim Erlkönig Kosten in Höhe von 72 Euro. Sind solche Quizfragen einmal für den Pool auf einem Bildungsserver finanziert, kann danach jeder Internet-Nutzer mit seinem PC, dem Tablet oder einem Smartphone kostenlos darauf zugreifen, um sich mit Bildungsmaterialien zu vergnügen.

Mit geringem Mehraufwand können die Materialien anschließend auf einer Moodle-Lernplattform bereitgestellt werden. Wenn in Unterrichtsräumen mit zertifizierten PCs eine kompetente Aufsicht bei benoteten Prüfungen gewährleistet ist, könnte man derartige Tests auch zur Lernerfolgskontrolle einsetzen. Überwachte Online-Prüfungen mit sofortiger Auswertung sind seit Jahren bei TOEFL- und DaF-Tests sowie bei IHK- und Computerführerscheinprüfungen üblich.

Excel als Assessment-Tool für Moodle-Lernplattform

Individuelle Lernangebote können effizient von Lehrern und Ausbildern erstellt werden. Außer der allgemein bekannten Office-Software sollten noch eine Lernplattform und Tools für die Video-Produktion bereitstehen. Die Anwendung dieser drei Zutaten ist im folgenden Angebot verständlich dokumentiert.
Die exemplarische Produktion von Lückentests oder C-Tests ist in einer Playlist mit drei Videos rechts zu sehen.
Ein Frage-Typ mit Kurzantworten eignet sich besonders zur Einschätzung von Lernerfolgen oder von Sprachkompetenz auf Tablet-PCs und den verwandten Smartphones. Das Ziel der Videos ist es, die fehlerfreie Automatik der Fragenproduktion allgemein verständlich und nachvollziehbar zu machen.
Aus der Bibel und aus Goethes Werk wurden bekannte Texte als Fallbeispiele eingesetzt. Im 1. Video wird gezeigt, dass sich wiederkehrende Abläufe in der Textbearbeitung mit einem Befehl bei anderen Texten wiederholen lassen. Das funktioniert in Excel ähnlich wie bei Word.
Die Zellen der Excel-Tabellen lassen sich jedoch systematischer ansprechen und verarbeiten. An Stellen, wo Test-Rezipienten ihre Antworten einzutragen haben, sind Platzhalter anzubringen. Die HTML-Auszeichnungen der Absätze und Überschriften werden noch ergänzt. Der in 3 Spalten vorbereitete Bereich muss dann kopiert und beim gewählten Frage-Typ auf der Lernplattform Moodle eingefügt werden. Wer diese Vorgehensweise beherrscht, kann unzählige Selbstlernkontrollen auf der allgemein am weitesten verbreiteten Lernplattform erstellen.
Weil Platzhalter selbst Buchstaben enthalten, sind Wege aufzuzeigen, wie ungewollte Textänderungen in den Platzhaltern unterbunden werden. Das Konzept dazu entnimmt man dem 2. Video.
Das 3. Video richtet sich an Test-Autoren, die ein richtiges Programm einsetzen möchten. Die Suchen- und Ersetzen-Anweisung soll aus einer Excel-Spalte beliebig viele variable Texte für die Lückenbestimmung entnehmen. Das Programm wird beendet, wenn alle nicht leeren Zellen für den HTML-Code aufbereitet sind. Durch diese übersichtliche Anordnung behält man alle auszufüllenden Lücken im Blick.
Wer die VBA-Anweisungen nicht vom verknüpften Video abschreiben möchte, kann per E-Mail die Excel-Arbeitsmappe mit „Vater unser“ und dem Faust-Monolog samt Makros anfordern. Die in den Videos dokumentierten Abläufe und Vorgehensweisen lassen sich auf Texte zu beliebigen Fächern in beliebigen Sprachen transferieren.

bluepages = Produktion und Bereitstellung von Erklärvideos und Assessments

Die Kernkompetenzen von bluepages liegen in der Produktion von Erklärvideos und Assessments. Jeder kann das Material auf unserer Lernplattform nutzen.
Wir setzen die am weitesten verbreitete OpenSource Plattform Moodle als LMS ein. LMS steht für Lern-Management-System, CMS steht für Content Management System. Als CMS nutzen wir WordPress, welches bei Websites den höchsten Verbreitungsgrad hat.
Unsere Autorenwerkzeuge sind die verbreiteten Office-Produkte. Zur Automatisierung verwenden wir die dort integrierte Programmiersprache VBA.
Zur Aufzeichnung von Videos nutzen wir neben handelsüblichen Camcordern auch den Screen-Recorder von Camtasia
Als Videoplattform dient YouTube und die eigene Lernplattform, wenn das Material nicht allgemein zugänglich sein soll.
Bei YouTube ist nicht nur die Benutzung, sondern auch die Verwaltung der Videos einfach. Fast alle Anwender haben damit auch schon private Erfahrung.
Für unsere Erklärvideos zeichnen wir das Geschehen am Bildschirm auf. Gelegentlich nutzen wir Camcorder zur Aufzeichnung von Aktivitäten oder zur Kommentierung von Werken und Dokumenten vor Ort. Kunden vermitteln wir, wie man mit handelsüblichen Geräten eigene Produktionen durchführt, bearbeitet und bereitstellt.
Es ist erfreulich, wenn zur Nutzung der Materialien auch interaktive Whiteboards (Smartboards) und digitale Präsentationsgeräte bereitstehen. Damit hat man eine Fülle von Möglichkeiten, um Vorträge und Präsentationen interessant und anschaulich zu gestalten. Niemand soll jedoch von der Nutzung unserer Materialien ausgeschlossen werden. Das erreichen wir durch einen Zuschnitt, der auch die Benutzung auf einfachen Tablets, Smartphones oder Notebooks berücksichtigt. Angebote, welche die jederzeit verfügbare Hardware der Rezipienten berücksichtigen, scheinen am nachhaltigsten zu sein.
Mit dieser Erkenntnis und dem Druck, Kosten gering zu halten, wollen wir die Nutzungsmöglichkeiten der bewährten Komponenten voll ausschöpfen. Bei diesem Ansatz muss nur in die Ausbildung von Kursleitern und Autoren investiert werden. Gerade Onlinetests zur Selbsteinschätzung werden diese Investition in die Zeit für die Weiterbildung schnell rechtfertigen. Automatisch bewertete Tests geben sowohl den Rezipienten als auch den für Unterricht verantwortlichen schnell Auskunft, ob der vermittelte Unterricht nachhaltig war. Nachbesserungen und Ergänzungen können zeitnah erfolgen.
Blended Learning bedeutet das Beste aus digitaler und analoger Welt: Bereitstellung, Vortrag und Vermittlung von Stoff geht per Internet. Die Reflektion bzw. Diskussion und der Austausch von Erfahrungen gehen derzeit immer noch am nachhaltigsten, wenn die Gruppe im realen Raum zusammentrifft. Für die Zeit zwischen den persönlichen Begegnungen können digitale Kontakte in Foren und Chats auf dem Lernmanagement System genutzt werden, sofern die gewohnten privaten Kommunikationsplattformen wegen rechtlicher Bedenken ausscheiden.
Das gesamte Knowhow geben wir gern an Lernwillige weiter.

Neue Playlists für Access-Videos


Lange wurden die Zugriffszahlen zu den Datenbankvideos nicht beachtet, weil Excel auf dem Kanal KonradRennert beliebter zu sein schien. Bei der jüngsten Statistik tauchen sie mit einer viertel Million Abrufen auf. Viele Kommentare deuten auf Schüler hin, die sich mit den recht abstrakten Datenbank-Themen beschäftigen. Vor allem Schülerinnen fallen positiv auf, weil sie sich gelegentlich für eine verständliche Darstellung bedanken.
Um zukünftig noch mehr Abrufe zu erzielen, wurde zunächst eine Playlist mit 52 Videos in der passenden Abfolge zusammengestellt, damit die Interessenten noch einfacher und systematischer auf die Erklärungen zur beliebten Einstiegsdatenbank Access zugreifen können. Eine weitere Playlist zeigt nicht nur die optischen Veränderungen bei der neueren Version, sie liefert auch interessante Features für Fortgeschrittene: Die Programmierung eigener Funktionen ist eines davon. Unter der Option „Continue reading“ steht eine gleich aufgebaute Tabelle mit den verlinkten Videos. Diese kann einschließlich der Links kopiert und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Wer sich mit der Rechtslage zum Verlinken von Inhalten nicht auskennt, dem sei der Inhalt des folgenden Artikels empfohlen: http://www.zeit.de/digital/internet/2016-04/eugh-gutachter-urheberrecht-verlinkung

Das vor 5 Jahren angefertigte pdf-Skript ist mit einer CC-BY Lizenz freigegeben und darf geändert und weiter gegeben werden: Access2007.pdf
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Müssen Bildungsmaterialien „sexy“ sein?

Ein offener Brief an Nadine Emmerich. Sie ist die Autorin des Artikels „OER ist nicht sexy“ welcher in der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ erschienen ist.

 

Liebe Frau Emmerich,

 

wegen des merkwürdigen Titels „OER ist nicht sexy“ ist mir Ihr Beitrag auf Seite 23 der GEW-Zeitschrift Erziehung_und_Wissenschaft/2016/EW_04_2016_Web.pdf aufgefallen.

Sexy kommt nur wenigen Lehrern und Ausbildern im Zusammenhang mit Unterrichtsmaterial in den Sinn. Der Begriff passt eher bei Bademode. Eigenschaften wie „motivierend und unterrichtswirksam“ sollten bei der Bewertung von Bildungsmaterialien wichtiger sein.

Das was ich bei meinen Ausbilderkollegen, meinen Kindern und Enkeln in den letzten Jahren im Wesentlichen an Unterrichtsmaterial gesehen habe, waren mehr oder weniger alte Bücher und massenhaft angefertigte Fotokopien. Das Wort „sexy“ ist niemandem bei der Sichtung dieses Materials über die Lippen gekommen.

Wichtiger als „sexy“ zu sein ist jedoch die Arbeit an den von Ihnen im Artikel benannten Baustellen, um eine Kultur des Teilens in der Bildung zu etablieren:

  1. Rechtssicherheit
  2. Qualitätssicherung
  3. Qualifizierungsmodelle
  4. Geschäftsmodelle

Zu allen 4 Punkten gibt es Aspekte, die in Ihrem Beitrag nicht auftauchen.

  1. Zum Thema Rechtssicherheit gibt es durch die Rechtssache „C-160/15“ des höchsten Europäischen Gerichts interessante Gesichtspunkte für die Betreiber von Lernplattformen: Wenn man nicht sicher ist, ob eine Bildungsresourcen rechtssicher ist, kann man sie dennoch angstfrei verlinken sofern sie nicht ausgedruckt werden muss. Links zu urheberrechtlich geschützten Inhalten sind gefahrlos, wenn das Gericht in Kürze seinem Gutachter folgt. Beim Kopieren und Drucken muss man weiterhin aufpassen. Details stehen in der Süddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/digital/urheberrecht-eugh-gutachten-links-zu-urheberrechtsverletzungen-sind-nicht-rechtswidrig-1.2938936
    Das von den Veranstaltungsteilnehmern gewünschte Remix-Tool passt zum verbreiteten „Rundum Sorglos“ Wunschdenken. Es müsste automatisch auch die Plagiatssuche im Bereich des gesamten Internets und konventioneller Bibliotheksbestände beinhalten oder es bleibt oberflächliche Augenwischerei.
  2. Die permanente Qualitätssicherung wird bei OER leichter sein, weil jeder Zugang hat ohne dafür zahlen zu müssen. Aktualisierungen an der digitalen Quelle sind einfach und Fehler können schnell korrigiert werden ohne dass bereits gedruckte Bücher eingestampft werden müssen. Fachlehrer werden nicht nur als Autoren, sondern auch als Lektoren und Kritiker der OER in Frage kommen. Bildungsträger müssen natürlich bereit sein, die Arbeit der Lektoren direkt zu zahlen und nicht wie bisher indirekt über den Preis der Schulbücher.
  3. Die Qualifizierung von Lehrern und Ausbildern ist in der Tat das größte Problem. Unwissen um die Möglichkeiten der bereits vorhandenen Infrastruktur verhindert deren sinnvollen Einsatz. An fast jeder weiterführenden Schule, Hochschule oder Berufsschule ist schon eine brauchbare Lernplattform installiert. Sie wird mehr oder weniger nur von den wenigen Netzaktivisten am Leben gehalten. Die Unkenntnis um die Einsatzmöglichkeiten der Lernplattform ist genauso erschreckend wie es der Kauf eines wertvollen Flügels wäre, wenn der Musiklehrer damit nur die Tonleiter spielen kann. Vielfach sieht man in der Bereitstellung von pdf-Dokumenten die einzige Anwendungsmöglichkeit für Lernplattformen. Hervorragende Merkmale, wie die Quiz-Tools der Open-University werden praktisch kaum genutzt, obwohl Lehrer damit schnell interessante Lern- und Testhilfen produzieren könnten. Qualifizierungsmöglichkeiten zur Nutzung der Plattformen gibt es allerorten oder im Internet, aber warum sollten Lehrer diese Angebote nutzen, wenn es folgenlos bleibt, wenn man nichts tut?
  4. Vor einem Jahr gab es einen Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der SPD „Durch Stärkung der Digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“ http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/044/1804422.pdf. Ich war auf den darauf folgenden konkurrierenden Veranstaltungen der Regierungsfraktionen im Reichstagsgebäude und im Paul Loebe Haus: https://www.freitag.de/autoren/christian-fueller/digitales-doppelspiel. Mein Ziel war, dort Ansprechpartner für OER-Geschäftsmodelle zu lokalisieren. Ich nahm hauptsächlich die Aktivitäten der Lobbyisten von Verlagen wahr (z.B. Herrn Feldmann vom Verband der Bildungsmedien e.V.) welche überhaupt kein Interesse an OER haben. Die anwesenden Aktivisten aus der OER-Szene wirkten wie temporäre Wahlhelfer der Bildungspolitiker. Sie sind in der Kulisse nützlich, aber nach der Veranstaltung sind sie wieder bedeutungslos. Die staatlichen Beschaffungsstellen für Bildungsmaterialien sind auf die althergebrachten Beschaffungspfade eingestellt und Lehrer freuen sich, wenn sie kostenlose Lehrerexemplare und Begleitmaterial vom Außendienst der Verlage überreicht bekommen. Die Mehrzahl der Beteiligten wird aus Bequemlichkeit kein ernsthaftes Interesse an Änderungen haben, egal ob das Material „sexy“ ist oder nicht.

In Ihrem Beitrag erwähnen Sie Arbeitszeitkontingente als Belohnung für OER-Produzenten. Das kann man machen, wenn es um wenig aufwändige Materialen mit geringen Anforderungen geht, die von gut honorierten Pädagogen nebenbei erstellt werden können. Fachleute ohne Anstellung an Bildungseinrichtungen sind damit von einer Honorierung ausgeschlossen. Wegen der bestehenden Strukturen in unserem föderalen Bildungssystem können die im Schulbuchhandel üblichen Geschäftsmodelle nicht greifen. Auch bei OER gilt: Ohne Preis kein Fleiß, d.h. kein renommierter Autor kann ohne Bezahlung arbeiten.

Wenn die Beschaffungswege für seriöse Bildungsmedien nur auf das Zusammenspiel mit den Schulbuchverlagen ausgerichtet sind, wie sollte da jemand etwas Neues wie OER aufbauen können, wenn es keine Einnahmen gibt? Autoren wollen bezahlt werden. Wenn das durch die Privatwirtschaft geschehen würde, um gute OER zu produzieren, ist das zunächst nicht verwerflich, zumal bisher bevorzugte Verlage wie Klett, Westermann und Cornelsen auch der Privatwirtschaft zuzurechnen sind und gewinnorientiert arbeiten.

OER ist für die Nutzer kostenlos, die Produktion der Urversion und die Bereitstellung müssen dennoch finanziert werden. Wenn man verhindern will, dass die Privatwirtschaft via Finanzierung von OER Einfluss auf die Bildung nimmt, muss man bessere Angebote machen. Praktikable Möglichkeiten sind aus Sicht von Autoren und Nutzern neue staatliche Stiftungen um den Betrieb und die Bestückung der Server zu finanzieren. Die OER-Produzenten stellen auf den Servern der Stiftung ihre Materialien bereit. Sie erhalten ein nutzungs- und erfolgsabhängiges Einmalhonorar, welches nach einem festgelegten Zeitraum sowohl die Anzahl der realen Klicks aus den in Frage kommenden deutschsprachigen Ländern als auch die Bewertung durch die Nutzer berücksichtigt. Bei der Festlegung der für die Honorierung zu berücksichtigenden Klicks könnte das Modell als Vorlage dienen, welches man bei YouTube einsetzt, um die Einnahmen mit den Partnern zu teilen. Manipulationsversuche werden herausgefiltert und mit Ausschluss vom Server bestraft. Allerdings werden hier keine beliebig hohen Werbeeinnahmen zwischen Plattformbetreibern und Autoren verteilt, sondern ein mit den Jahren anzupassender Anteil des ca. 400 Millionen Euro umfassenden Budgets für Bildungsmaterialien. Er wird bisher fast ausschließlich unter den Bildungsverlagen verteilt. Damit der Anteil für Verlage und Autoren möglichst gerecht ermittelt werden kann, müsste ein neutrales Gremium eingeschaltet werden. Das vom Gremium zu erarbeitende mathematische Modell zu Bewertung der OER-Beiträge wird ähnlich komplex sein wie Berechnungsmodelle in der Versicherungsmathematik. Letztendlich kommt es nur darauf an, dass Autoren motiviert werden, hochwertige frei zugängliche Ressourcen zu liefern damit unser Land durch gute Bildung wettbewerbsfähig bleibt. Gewerkschaften wie die GEW könnten zur Vertretung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen ihrer Mitglieder darauf hinwirken, dass OER durch eine staatliche Stiftung vorangebracht wird. Das wird ja auch in Ihrem Beitrag vorgeschlagen. Gute Bildung schafft gute Verdienstmöglichkeiten und damit ein hohes Steueraufkommen um Pädagogen besser zu bezahlen.

Im Sinn dieser Wechselwirkungen müssen Bildungskonzepte nicht „sexy“ sondern nachhaltig sein.

 

Konrad Rennert

Erlkönig

Ein selbst entwickeltes Quiz-Tool eröffnet unzählige Einsatzmöglichkeiten auf Lernplattformen.

Goethe schuf die bekannte Schauergestalt. Er beginnt seine Ballade mit „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“

Seitdem Motorjournalisten vor mehr als 60 Jahren den Bericht über einen neuen Mercedes mit den Worten „Wer fährt da so rasch durch Regen und Wind?“ einleiteten, werden die während der Testphase getarnten Prototypen neuer Fahrzeuge auch „Erlkönige“ genannt.
Der Erlkönig ist inspirierend, um etwas Neues zu testen.
Konrad Rennert testete sein neues Tool zur Erzeugung von automatisch korrigierten Lückentexten für Lernplattformen mit Goethes bekannter Ballade. Er stellt 20 verschiedene Erlkönig-Tests mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und insgesamt 2384 Textlücken zur freien Verfügung. Deutschlehrer und andere Interessenten dürfen seine Arbeit kopieren, verändern und weitergeben. Es ist frei von jeglicher Werbung und darf auf der Basis einer CC-BY-Lizenz auf jeder Lernplattform kostenlos installiert werden.

Wer die unten angebotenen Lückentests durchführen möchte, benötigt einen Usernamen und ein Passwort.
Verwenden Sie einen der 26 Kleinbuchstaben des Alphabets für beide Pflichteinträge zur Anmeldung auf der Lernplattform, also z.B.: Username a Password a

Hintergrundinformation zur Ballade:
Goethe schrieb eines seiner bekanntesten Gedichte im Jahre 1782: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlkönig_(Ballade).
Die Ballade gehört zum Standardprogramm im klassischen Deutschunterricht.

Wer sich noch sehr gut an den Text erinnert, sollte den ersten der folgenden Lückentests wählen. Dort wird nur ein Buchstabe pro Wort vorgegeben.

Bei den nachfolgenden Lückentests 2 bis 5 wird der Schwierigkeitsgrad gesenkt. Es werden mehr Buchstaben angezeigt und es sind weniger Lücken zu füllen.

Wer den 1. Test fast fehlerfrei macht, kann sich die nächsten Tests daher schenken.

Test1: Das erste Zeichen wird gezeigt, der Rest ist auszufüllen (225)

Test2: Die ersten beiden Zeichen werden gezeigt, der Rest ist auszufüllen (198)

Test3: Die ersten drei Zeichen werden gezeigt, der Rest ist auszufüllen (139)

Test4: Die ersten vier Zeichen werden gezeigt, der Rest ist auszufüllen (95)

Test5: Die ersten fünf Zeichen werden gezeigt, der Rest ist auszufüllen (58)

Hinweise zu den folgenden Lückentexten

Zählungen von Wortlängen beginnen bei Null, wenn ein Leerzeichen oder eine Absatzmarke auftaucht. Rede- und Satzzeichen sind bei den Angaben zur Länge der Texte berücksichtigt.

Füllen Sie die fehlenden Zeichen in den Lücken so aus, als ob der Text in einer Zeile stehen würde. Durch den automatischen Zeilenumbruch bei verschiedenen Anzeigeformaten können die zu ergänzenden Zeichen eines Wortes manchmal am Anfang der nächsten Zeile des Displays stehen.

Test6: Vokale – Setzen Sie die fehlenden Vokale in die passenden Lücken (312)

Test7: Vokale – Setzen Sie die fehlenden Vokale a, i oder u in die passenden Lücken (165)

Test8: Sonderzeichen – Setzen Sie die fehlenden ä, ö, ü oder ß in die passenden Lücken (25)

Test9: Diphthonge – Setzen Sie die fehlenden au, äu, ei oder eu in die passenden Lücken (40)

Test10: Doppelte Buchstaben – Setzen Sie die Doppelbuchstaben in die passenden Lücken (9)

Test11: Setzen Sie das richtige Zeichen an der Lücke für den 2. Buchstaben ein (225)

Test12: Setzen Sie das richtige Zeichen an der Lücke für den 3. Buchstaben ein (198)

Test13: Setzen Sie das richtige Zeichen an der Lücke für den 4. Buchstaben ein (139)

Test14: Setzen Sie das richtige Zeichen an der Lücke für den 5. Buchstaben ein (95)

Test15: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 2. und 3. Buchstaben ein (146)

Test16: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 2., 3. und 4. Buchstaben ein (72)

Test17: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 2., 3., 4. und 5. Buchstaben ein (30)

Test18: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 3. und 4. Buchstaben ein (111)

Test19: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 3., 4. und 5. Buchstaben ein (30)

Test20: Setzen Sie die richtigen Zeichen an der Lücke für den 4. und 5. Buchstaben ein (72)

PS: Das Tool ist selbstverständlich auch für alle Gedichte in anderen Sprachen geeignet. Anfragen sind willkommen. Die Produktionskosten für 20 Tests zu einem Gedicht mit einer Gesamtsumme von maximal 5000 Lücken liegen bei 500 Euro.

Sehen – Hören – Lesen – Nachsprechen

In den vier Videos werden 180 deutsche Verben vor dem Hintergrund passender Bilder gesprochen. Damit können Zuwanderer sowohl den Sinn des Verbs erkennen, als auch die richtige Aussprache hören. Man kann die Videos anhalten, damit das Gehörte noch einmal gelesen und nachgesprochen werden kann…
Wer meint, dass er schon viele Verben kennt, kann sofort einen Zuordnungstest machen. In 18 Aufgaben müssen jeweils 10 Verben richtig zugeordnet werden. Nehmen Sie t als Username und t als Password.

Englisch Französisch Persisch Arabisch

Kreativität mit Excel – Tipps zur Hyperlink-Funktion

Per Hyperlink ist man mit einem Klick am Ziel. Solche Performanz ist mit den auf Papier gedruckten Querverweisen unmöglich.
In der vorliegenden Arbeitsmappe http://konrad-rennert.de/wp-content/uploads/2016/01/BerechneteHyperlinks.xlsx sind berechnete Hyperlinks verwendet. Die Formeln lassen sich in Sekundenschnelle auf beliebige Zusammenhänge übertragen. So entstehen komplette Linklisten zu multimedialen Lehrmaterialien welche ohne Internet nicht denkbar sind.
Das erste Fallbeispiel der oben genannten Arbeitsmappe zeigt die multimediale Verbindung der Liste unregelmäßiger Verben einer Germanistin mit dem Webservice Linguee.
Excel berechnet die Adresse für den Browser. Damit kann das Verb im deutschen und im englischen Kontext in vielen Satzkonstruktionen gezeigt werden. Die mit Hilfe der Tabellenkalkulation berechnete Fundstelle enthält in der Regel auch eine Audiodatei mit der Aussprache des Verbs und der abgeleiteten Formen. Continue reading

Lernhilfen mit Excel erstellen

Eine Liste mit unregelmäßiger Verben der Wiener Lehrerin Irmgard Graf-Gutfreund war Auslöser des Projektes. Die Verben stehen im pdf-Format auf deren Website: graf-gutfreund.at

Mit Zustimmung der genannten Autorin wurden die 125 Verben der Liste automatisch mit einer Excel-Formel verarbeitet, kopiert und hier bereitgestellt. Wer das geschilderte Beispiel selbst nachvollziehen möchte, findet vier YouTube-Erklärvideos unterhalb der Liste.

Auf Anfrage erhalten Interessenten die komplette Excel-Arbeitsmappe mit dem beschriebenen Makro kostenlos. Continue reading

Vokabeltests zur Selbstevaluation von Migranten bereitstellen

MoodleSelbsttest

Per automatisch auswertbarer Tests, in denen Vokabeln richtig zugeordnet werden müssen, können die Sprach- und Lesefähigkeiten zukünftiger Azubis und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund für die Handwerks- und Dienstleistungsberufe schnell geprüft werden.

Kommt es dann aufgrund des anscheinend hinreichenden Wortschatzes zur Einladung, kann der Test im Zweifelsfall mit einer neu gemischten Abfolge von Vokabel-Zuordnungen unter Aufsicht wiederholt werden. Zweifelhafte Selbsteinschätzungen des Wortschatzes können natürlich auch leicht im Fachgespräch verifiziert werden. Selbst organisiertes Lernen und der Besuch frei zugänglicher Internet-Lern-Plattformen beweisen die Motivation und den Willen zur Integration der Bewerber.

Vorbereitung und Durchführung im Detail

Alle Kandidaten erhalten Zugriff auf eine Sammlung passender Videos zum Berufsumfeld und eine frei zugängliche Vokabelliste mit den für die Position geforderten Fachbegriffen und Redewendungen. Die Vokabellisten können wie die folgenden noch nicht nach Berufen geordneten Listen aufgebaut sein:

 

Zu jeder Vokabelliste gibt es Selbsttests. Die Testaufgaben können sich die Kandidaten entweder auf Papier drucken oder gleich die Richtigkeit Ihrer Vokabelzuordnung am Computer überprüfen. Damit bei Verwendung von Papier die richtige Zuordnung geprüft wird, gibt es Lösungsschablonen mit denen die ausgefüllten Lösungsbögen in Sekunden geprüft werden können.

Wer bereitgestellte Excel-Arbeitsmappen auf seinem PC öffnen kann oder die Lernplattform Moodle einsetzt, erhält beim Eintrag seiner Lösung automatisch ein Feedback. Die Arbeitsmappe Arabisch‑Deutsch.XLSX liefert sowohl die Möglichkeit mit Papier zu arbeiten, als auch die automatische Auswertung mit der Funktionalität von Excel (s. Video).

Auf der Moodle-Plattform http://wer-weiss-was.net/course/view.php?id=26 kann sich jeder anmelden und mit Username c und Password c oder einer anderen Buchstabenpaarung tausende von Vokabelzuordnungen automatisch auf ihre Richtigkeit überprüfen lassen (s. Bild).

Fazit

Selbsteinschätzungen auf Basis frei zugänglicher Tests liefern den Stellenanbietern erste Aussagen zur Sprachkompetenz. Bei Bewerbungsgesprächen können die Selbsttests zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit und der Motivation dienen. Angaben lassen sich im Gespräch oder per Aufgabenblatt überprüfen. Mit den bereit stehenden Tools könnten täglich tausende zufällig gemischter Vokabelpaarungen mit automatischer Ergebniskontrolle erzeugt werden, wenn entsprechende Fachvokabulare vorliegen.

Interessierte Organisationen und Firmen können als Herausgeber in Erscheinung treten und sind zur Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung des Konzeptes eingeladen.

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