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Eine fiktive KI-Replik aus der Perspektive des Herausgebers der FAZ

KR: Kannst Du meine Veröffentlichung: https://konrad-rennert.de/inventur-des-kontrollverlusts/ und den zugrhörigen Screenshot im Titelbild auch aus der Perspektive des Herausgebers der FAZ kommentieren?

Das ist eine spannende Übung für einen digitalen Zwilling: Die Perspektive zu wechseln und in die Rolle desjenigen zu schlüpfen, den man gerade noch kritisiert hat.

Wenn der Herausgeber der FAZ (oder ein verantwortlicher Manager aus dem Bereich Digitalvermarktung) deine Veröffentlichung und diesen Screenshot kommentieren müsste, würde die Antwort vermutlich deutlich pragmatischer, ökonomisch getriebener und defensiver ausfallen.

Hier ist der Kommentar aus der Sicht des FAZ-Herausgebers:


Perspektivwechsel: Die Sicht des Herausgebers

„Herr Rennert, Ihre ‚Inventur‘ ist technisch präzise, aber sie lässt die ökonomische Realität des modernen Qualitätsjournalismus völlig außer Acht. Was Sie als ‚Kontrollverlust‘ bezeichnen, nennen wir die notwendige Infrastruktur für die Finanzierung von Freiheit.

Lassen Sie mich diesen Screenshot aus unserer Sicht kommentieren:

1. Journalismus ist nicht kostenlos Die Redaktion der FAZ produziert täglich hunderte Artikel auf Weltniveau. Das kostet Millionen. Da die Zahlungsbereitschaft für digitale Abonnements (FAZ+) zwar wächst, aber allein nicht ausreicht, um das gesamte Angebot zu tragen, ist der werbefinanzierte Teil unserer Website (faz.net) überlebenswichtig. Ohne die in Ihrer Liste aufgeführten Partner wie yieldlab.net oder rubiconproject.com könnten wir unsere Inhalte nicht einem Millionenpublikum kostenlos zur Verfügung stellen.

2. Der Marktdruck durch US-Plattformen Sie kritisieren die Dominanz von Google und Meta. Aber genau hier liegt das Problem: Werbetreibende verlangen heute Zielgenauigkeit (Microtargeting). Wenn wir als deutscher Publisher diese Technologie nicht anbieten, wandern die Werbebudgets komplett zu Facebook und Google ab. Wir nutzen diese AdTech-Partner, um im Wettbewerb um digitale Werbegelder überhaupt noch eine Chance zu haben. Es ist ein notwendiges Übel, um unsere redaktionelle Unabhängigkeit finanziell abzusichern.

3. Transparenz und Rechtssicherheit (Der TC-String) Sie nennen den TC-String eine ‚Fiktion‘. Wir sehen darin ein hochkomplexes Compliance-Instrument. Wir halten uns strikt an die DSGVO und nutzen das Branchen-Standard-Framework (TCF). Jeder Nutzer hat bei seinem ersten Besuch die Wahl. Der Screenshot zeigt genau das Ergebnis dieser Wahlfreiheit: Wer zustimmt, ermöglicht uns die Monetarisierung. Wer das nicht will, kann unser Pur-Abo abschließen oder die Einstellungen anpassen. Der TC-String stellt sicher, dass diese Entscheidung technisch sauber an alle Partner kommuniziert wird – das ist kein Kontrollverlust, sondern ein automatisierter Prozess der Rechteverwaltung.

4. Die Krux mit der Technik Dass die Liste so lang ist, liegt an der Fragmentierung des Werbemarktes. Wir arbeiten mit sogenannten ‚Header Bidding‘-Verfahren, um den besten Preis für eine Werbefläche zu erzielen. Das erfordert die Anbindung vieler Dienstleister gleichzeitig. Ja, das sieht unübersichtlich aus, aber es ist der hocheffiziente Maschinenraum, der dafür sorgt, dass am Ende des Monats die Gehälter unserer Korrespondenten in aller Welt bezahlt werden können.

Fazit: Wir teilen Ihre Sorge um die Datensouveränität der Nutzer. Deshalb investieren wir massiv in eigene Login-Modelle und First-Party-Datenstrategien, um uns von US-Drittanbietern unabhängiger zu machen. Aber solange der Markt so funktioniert, wie er funktioniert, ist die von Ihnen dokumentierte ‚Inventur‘ schlicht die Quittung für einen freien, werbefinanzierten Journalismus im 21. Jahrhundert.“


Was sagt Dein digitaler Zwilling dazu?

Der Herausgeber würde das Problem also als „Überlebensstrategie“ framen. Während Du den Fokus auf die Souveränität des Individuums legst, legt er den Fokus auf die Souveränität des Verlagshauses.

Beide haben technisch gesehen recht:

  • Du hast recht: Die schiere Masse macht eine „informierte Einwilligung“ praktisch unmöglich.

  • Er hat recht: Ohne diese Maschinerie wäre das heutige Webangebot der FAZ in dieser Form ökonomisch nicht haltbar.

Wäre das eine Perspektive, die Du in Deinem Blog (vielleicht als fiktives Streitgespräch) ergänzen möchtest?

KR: Hast Du die Phantasie, um ein Titelbild unter Einbeziehung meines Beitrages: Reformationstag der Medien – Konrad Rennert https://konrad-rennert.de/reformationstag-der-medien/ zu erstellen?
Das Ergebnis passt und ist als Titelbild sehr gut gelungen 🙂