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Stolperakten: Wenn KI die Geschichte zum Sprechen bringt

Die Zeit der lebenden Zeitzeugen des Nationalsozialismus neigt sich dem Ende zu. Während Gerichtsprozesse heute oft nur noch symbolische Bedeutung haben, eröffnet uns die Verbindung von IT-Kompetenz und Künstlicher Intelligenz völlig neue Wege der Aufarbeitung.

 

Mein Projekt „Stolperakten“ zeigt, wie wir heute – schneller und präziser als je zuvor – die Verbrechen der NS-Zeit dokumentieren und für die nächste Generation begreifbar machen können.

 

Vom IT-Trainer zum Geschichts-Detektiv

Nach über 20 Jahren als IT-Trainer für deutsche Familienunternehmen und einem Leben zwischen Datenbanken und Computerführerscheinen nutze ich meinen „Unruhestand“ nun als Online-Dozent für den KI-Einsatz. Ein Zufall führte mich zur Erforschung der Stolpersteine in Bad Wildungen. Was als Recherche begann, wurde schnell zu einer persönlichen Reise in die Vergangenheit.

 

Eine Geschichte, die mich persönlich berührt

Die Recherchen führten mich nach Basdorf bei Vöhl – ein kleiner Ort mit heute nur 390 Einwohnern. Hier schließt sich für mich ein Kreis:

 

  • Persönlicher Bezug: Meine beiden Großmütter, Margarete und Friderike, stammten aus diesem Dorf und kannten Helene Külsheimer und ihren Bruder Leopold wahrscheinlich noch persönlich.

  • Gemeinsame Wege: Leopold besuchte die Alte Landesschule in Korbach (1894–99) – genau die Schule, an der ich 1974 mein Abitur ablegte.

  • KI als Werkzeug: Ohne moderne, KI-unterstützte Recherche-Methoden wäre dieser „Datenschatz“ in den Staatsarchiven für mich verborgen geblieben.

     

Die Akte Helene Külsheimer: Bürokratie des Unrechts

Mit dem D-Ticket ging es ins Marburger Staatsarchiv, um die Steuerakte von Helene Külsheimer (Signatur: HStAM, 601/12, 74) einzusehen. Die Dokumente sind ein erschütterndes Zeugnis der systematischen Ausplünderung:

 

Detail Information aus den Stolperakten
Name

Helene Külsheimer

Geburtsort

Basdorf (15.02.1874)

Wohnort

Brunnenstraße 36, später umbenannt in Adolf-Hitler-Straße 61, Bad Wildungen

Inhalt der Akte

Vermögensteuer, Reichsnotopfer und detaillierte Listen über Wertpapiere (z.B. Mannheimer Gold Anleihe)

Schicksal

Ermordet im Januar 1943 im KZ Theresienstadt

„Diese Akten sind mehr als nur Papier – sie sind die Spuren eines geraubten Lebens.“

Mein Ziel: Geschichte in die Schulen bringen

Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben. Das Projekt „Stolperakten“ ist ideal für das fächerübergreifende Arbeiten (Geschichte, Ethik, Informatik) geeignet. Da ich mittlerweile die 70 überschritten habe, suche ich engagierte Lehrkräfte, die Interesse an Fortbildungen haben und dieses Projekt langfristig übernehmen möchten.

 


Download: Die erste Stolperakte

Hiermit veröffentliche ich die erste vollständige Auswertung. Auf 126 Seiten dokumentiert diese 60 MB große PDF-Datei das Schicksal von Helene Külsheimer und die bürokratischen Mechanismen dahinter. Die ersten beiden Seiten sind nur provisorisch gefüllt. An dieser Stelle werden noch das Vorwort und Hinweise eingefügt. Die Nummerierungen der eigentlichen Akte bleiben auf den Seiten 3 bis 126 unverändert, sodass die Seitennummern in den Kommentaren auch bei überarbeiteten Versionen erhalten bleiben.

👉 Hier klicken: Stolperakte 01 – Helene Külsheimer (PDF, 126 Seiten)