KR&KI: Empathische Robotik, Pflege und Bildung
Vom Videotelefonat zum intelligenten Betreuungspartner
1. Eine persönliche Frage am Anfang: Wer wird uns einmal pflegen?
Die Beschäftigung mit empathischer Robotik beginnt für mich nicht mit einem technischen Forschungsinteresse, sondern mit einer sehr persönlichen Frage:
Wer wird die Generation der Babyboomer pflegen, wenn sie selbst alt und möglicherweise pflegebedürftig wird?
Ich habe über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrungen mit Alterserscheinungen, insbesondere mit Demenz, und mit den Belastungen gesammelt, denen pflegende Angehörige ausgesetzt sind. Dabei habe ich erlebt, wie aus einer zunächst überschaubaren familiären Unterstützung über Jahre eine nahezu vollständige Bindung an den Haushalt werden kann.
Im Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich mehrere vergleichbare Situationen. Ein Freund pflegt seine demente Ehefrau und ist inzwischen an die Grenzen seiner Belastbarkeit gelangt. Ein anderer kümmert sich seit Jahren um seine hochbetagte Mutter und ist dadurch in seinen eigenen sozialen Möglichkeiten erheblich eingeschränkt.
Die Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Wie können wir professionelle Pflege finanzieren?
Sie lautet auch:
Welche Formen technischer Unterstützung können dazu beitragen, dass Menschen länger selbstbestimmt leben können, Angehörige entlastet werden und professionelle Pflege dort eingesetzt wird, wo sie tatsächlich gebraucht wird?
2. Pflege als Belastungssystem
Die demografische Entwicklung verschärft dieses Problem. Medizinischer Fortschritt ermöglicht es Menschen, auch mit schweren Erkrankungen länger zu leben. Das ist zunächst ein großer Erfolg. Gleichzeitig bedeutet ein längeres Leben mit Demenz oder anderen Einschränkungen aber auch, dass Betreuung über längere Zeiträume notwendig werden kann.
Damit entsteht ein Spannungsfeld:
Der medizinische Fortschritt verlängert das Leben – aber er verlängert teilweise auch den Zeitraum, in dem Betreuung notwendig ist.
Für Angehörige kann das enorme Belastungen bedeuten.
Besonders problematisch wird die Situation, wenn der pflegebedürftige Mensch nachts nicht allein bleiben kann, wenn Orientierungslosigkeit auftritt oder wenn alltägliche Handlungen plötzlich gefährlich werden.
Wir haben eine solche Entwicklung selbst erlebt. Zunächst konnte die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen mit Unterstützung von Haushaltshilfen und anderen Kräften noch weitgehend im häuslichen Umfeld organisiert werden. Irgendwann war jedoch eine Betreuung rund um die Uhr erforderlich. Ein nächtlicher Sturz aus dem Bett machte schließlich deutlich, dass eine häusliche Betreuung an ihre Grenzen gelangt war.
Das sind keine spektakulären technischen Probleme. Es sind Alltagssituationen.
Und gerade deshalb stellt sich die Frage, ob technische Systeme in Zukunft einen Teil dieser alltäglichen Betreuung übernehmen oder zumindest unterstützen können.
3. Der Roboter als geduldiger Gesprächspartner
Bei meiner Beschäftigung mit dem Thema bin ich auf soziale Roboter wie Navel gestoßen. Das Konzept „Creating robotic beings you want to be with“ hat mich besonders interessiert.
Denn eine der vielleicht unterschätztesten Aufgaben in der Betreuung älterer Menschen ist das Zuhören.
Menschen mit Demenz erzählen häufig dieselben Geschichten immer wieder. Sie stellen dieselben Fragen. Sie benötigen Aufmerksamkeit, obwohl die Pflegekraft gerade andere Aufgaben erledigen muss.
Ein menschlicher Pfleger kann diese Situation verstehen und trotzdem irgendwann sagen müssen:
Dafür habe ich jetzt keine Zeit.
Ein technisches System kennt diese Grenze nicht in gleicher Weise.
Ein entsprechend entwickelter sozialer Roboter könnte theoretisch dieselbe Geschichte auch zum hundertsten Mal anhören, auf frühere Gespräche zurückgreifen und den Dialog individuell fortsetzen.
Damit entsteht ein interessanter Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Kommunikation:
Der Roboter muss nicht müde werden.
Das bedeutet allerdings noch nicht, dass er Empathie besitzt.
Vielmehr kann ein technisches System so entwickelt werden, dass es bestimmte Merkmale empathischer Kommunikation erkennt, simuliert und situationsgerecht einsetzt.
Genau an dieser Stelle beginnt für mich die wissenschaftlich interessante Frage.
4. Kann eine Maschine Empathie simulieren?
Der Begriff „empathische KI“ ist zunächst problematisch.
Ein Mensch kann Gefühle empfinden, die Situation eines anderen Menschen intuitiv erfassen und aus eigener Erfahrung heraus reagieren. Eine KI besitzt nach unserem heutigen Verständnis keine menschlichen Gefühle.
Sie kann aber möglicherweise:
- sprachliche Äußerungen analysieren,
- wiederkehrende Gesprächsmuster erkennen,
- Informationen aus früheren Gesprächen speichern,
- auf bestimmte emotionale Signale reagieren,
- Gesprächsstrategien auswählen,
- Nähe, Aufmerksamkeit und Verständnis sprachlich simulieren.
Damit verschiebt sich die Fragestellung:
Nicht:
„Fühlt der Roboter Empathie?“
sondern:
„Welche Funktionen menschlicher Empathie lassen sich technisch modellieren – und welche Grenzen entstehen dabei?“
Diese Unterscheidung halte ich für zentral.
Denn gerade in Pflege und Bildung kann eine überzeugende Simulation von Empathie sehr nützlich sein. Sie kann aber gleichzeitig neue ethische Probleme erzeugen.
5. Von Apple zum Sozialroboter: Eine Parallele zur Geschichte der IT
Ein weiterer Gedanke stammt aus meiner eigenen beruflichen Geschichte.
Vor etwa vierzig bis fünfzig Jahren habe ich im Vertrieb von Apple-Computern gearbeitet. Damals waren Computer teuer und für viele Menschen kaum erschwinglich.
Mit steigenden Stückzahlen änderte sich das.
Die Hardware wurde billiger, die Geräte wurden leistungsfähiger und aus einer zunächst kleinen technischen Nische entstand ein Massenmarkt.
Ich halte diese Entwicklung für eine interessante Parallele zur sozialen Robotik.
Heute sind hochentwickelte soziale Roboter noch teuer und weit von einer flächendeckenden Nutzung entfernt.
Die entscheidende Frage könnte deshalb lauten:
Was passiert, wenn soziale Roboter nicht mehr als Einzelstücke oder Kleinserien, sondern millionenfach produziert werden?
Dann könnten sinkende Hardwarekosten und leistungsfähigere KI dazu führen, dass aus einer zunächst exklusiven Technologie ein alltägliches Hilfsmittel wird.
Die Geschichte des Personal Computers zeigt zumindest, dass technologische Systeme einen solchen Wandel durchlaufen können.
6. Von der Pflege zur Bildung
Wenn ein sozialer Roboter in der Lage ist, geduldig zu kommunizieren, Informationen zu speichern und auf unterschiedliche Menschen individuell zu reagieren, stellt sich eine weitere Frage:
Warum sollte ein solcher Roboter nur alte Menschen betreuen?
Auch Kinder wachsen zunehmend in Situationen auf, in denen Erwachsene nicht ständig verfügbar sind.
Ich kenne beispielsweise Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind und Kinder zeitweise allein zu Hause sind.
Technik ist für diese Kinder ohnehin schon selbstverständlich. Sie fragen heute bereits Sprachassistenten nach Informationen, dem Fernsehprogramm oder Dingen, die früher vielleicht in einem Lexikon nachgeschlagen worden wären.
Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr:
Ob Kinder mit Maschinen kommunizieren.
Sie tun es bereits.
Die Frage lautet vielmehr:
Mit welcher Art von Maschine sollen sie kommunizieren?
7. Alexa oder Gesprächspartner?
Ein Sprachassistent kann eine Frage beantworten.
Ein sozialer Roboter könnte darüber hinaus versuchen, einen Dialog zu führen.
Das eröffnet interessante Möglichkeiten:
- Unterstützung bei Hausaufgaben,
- Fremdsprachentraining,
- gemeinsames Lesen,
- spielerisches Lernen,
- Erinnern an Aufgaben,
- Anregung zu Aktivitäten,
- Erkennen von Gesprächsbedarf.
Damit könnte aus einem passiven Medienkonsum ein aktiver Dialog entstehen.
Gerade angesichts der Diskussion über die Wirkung sozialer Medien erscheint dieser Unterschied bedeutsam.
Plattformen wie TikTok oder Instagram sind darauf optimiert, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Das permanente Scrollen durch kurze Videos kann zum dominierenden Freizeitverhalten werden.
Ein sozialer Roboter könnte dagegen theoretisch zu einer dialogorientierten Alternative werden.
Das bedeutet nicht, dass er menschliche Beziehungen ersetzen sollte.
Es bedeutet vielmehr, dass wir darüber nachdenken sollten, welche Art von Mensch-Maschine-Beziehung wir gesellschaftlich fördern wollen.
8. Ein wissenschaftlicher Impuls aus Heidelberg
Einen wichtigen Anstoß für diese Überlegungen erhielt ich durch eine Veranstaltung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.
Dort ging es um empathische KI und ihre möglichen Anwendungen in Pflege und Bildung.
Besonders interessant fand ich die Frage, wie Kinder mit menschenähnlichen Robotern oder sprechenden Puppen interagieren.
Wenn Kinder solchen technischen Figuren Dinge anvertrauen, die sie Erwachsenen gegenüber nicht ohne weiteres äußern, entsteht ein wissenschaftlich und pädagogisch hochinteressantes Spannungsfeld.
Denn ein solcher Roboter kann gleichzeitig sein:
- Lernpartner,
- Gesprächspartner,
- Beobachter,
- Unterstützer,
- Informationsquelle.
Aber möglicherweise auch:
- Datensammler,
- Einflussfaktor,
- Ersatzbezugsperson.
Damit sind wir unmittelbar bei der ethischen Dimension.
9. Die entscheidende Grenze: Unterstützung oder Ersatz?
Ein empathischer Roboter sollte aus meiner Sicht nicht das Ziel haben, menschliche Beziehungen zu ersetzen.
Seine Stärke könnte vielmehr darin liegen, menschliche Beziehungen zu ermöglichen oder zu ergänzen.
Bei einem älteren Menschen könnte der Roboter beispielsweise feststellen, dass eine Situation problematisch wird und Angehörige oder einen Pflegedienst kontaktieren.
Er könnte an einen vereinbarten Tagesablauf erinnern.
Er könnte bei einer ungewöhnlichen Situation nachfragen.
Er könnte im Notfall eine Videokonferenz initiieren.
Und er könnte vor allem die Zeit überbrücken, bis ein Mensch erreichbar ist.
Damit würde aus dem Roboter kein Ersatz für Pflege, sondern ein intelligenter Betreuungsknotenpunkt.
10. Die Verbindung mit Videokonferenzen
Dieser Gedanke knüpft unmittelbar an ein Projekt an, das ich bereits 2017/2018 gemeinsam mit einem chinesischen Studenten entwickelt habe: talking.bluepages.de.
Damals ging es zunächst um ein völlig anderes Problem.
Ein chinesischer Student in Deutschland hatte Schwierigkeiten, seine in China erworbenen Deutschkenntnisse praktisch anzuwenden. Gemeinsam entwickelten wir Ideen für sprachliches Lernen und Kommunikation.
In diesem Zusammenhang beschäftigte ich mich auch intensiv mit Videokonferenzen.
Schon damals entstand die Idee, Videokonferenzen nicht nur für Unterricht und berufliche Kommunikation einzusetzen, sondern auch für die Betreuung älterer Menschen.
Die technische Vorstellung war denkbar einfach:
Ein möglichst leicht bedienbares Gerät – idealerweise mit nur einem Ein-/Aus-Schalter – sollte es einem älteren Menschen ermöglichen, per Videokonferenz mit Angehörigen Kontakt aufzunehmen.
Damals war das noch eine reine Kommunikationslösung.
Heute könnte daraus etwas wesentlich Komplexeres entstehen.
11. Vom Videotelefon zum intelligenten Betreuungsknoten
Man könnte sich einen sozialen Roboter vorstellen, der drei Funktionen miteinander verbindet:
Kommunikation – Beobachtung – Eskalation.
Der Roboter begleitet die betreute Person im Alltag.
Er kommuniziert.
Er erkennt möglicherweise ungewöhnliche Situationen.
Und wenn seine eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen, holt er einen Menschen dazu.
Das könnte beispielsweise bedeuten:
„Du bist gestürzt. Soll ich deinen Sohn anrufen?“
Oder:
„Du hast das Gerät eingeschaltet. Soll ich überprüfen, ob alles in Ordnung ist?“
Oder:
„Ich glaube, du brauchst Unterstützung. Soll ich eine Videokonferenz mit deiner Tochter starten?“
Damit entsteht ein völlig neues Konzept:
Nicht die Maschine entscheidet anstelle des Menschen, sondern die Maschine erkennt, wann ein Mensch benötigt wird.
Das wäre aus meiner Sicht eine wesentlich sinnvollere Zielsetzung.
12. Ein überraschender Vergleich: der Hund als soziales Assistenzsystem
Bei diesen Überlegungen musste ich an eine Erfahrung mit einem Dackel aus unserer Familie denken.
Der Hund konnte natürlich nicht sprechen. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass er menschliche Kommunikation wesentlich besser analysierte, als man zunächst vermuten würde.
Er unterschied Personen.
Er reagierte unterschiedlich auf meine Frau und mich.
Er konnte aus Situationen und wiederkehrenden Formulierungen Handlungsmuster ableiten.
Wenn beispielsweise klar war, dass es abends ins Bett ging, reagierte er darauf, obwohl ihm niemand einen ausdrücklichen Befehl gegeben hatte.
Natürlich sollte man daraus keine menschliche Empathie des Tieres ableiten.
Aber es zeigt etwas anderes:
Soziale Interaktion funktioniert nicht ausschließlich über Sprache.
Tiere beobachten Menschen, erkennen Muster und reagieren darauf.
Vielleicht liegt darin eine interessante Perspektive für die Entwicklung sozialer Robotik.
13. Die Symbiose: Haustier und Roboter
Daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Zukunftsidee.
Vielleicht ist die interessante Lösung für alleinlebende Menschen nicht der Roboter allein.
Vielleicht ist es eine Kombination aus Tier und Roboter.
Das Tier bietet etwas, was Technik kaum ersetzen kann:
- körperliche Nähe,
- Wärme,
- Berührung,
- nonverbale Kommunikation,
- spontane Reaktionen.
Der Roboter bietet dagegen Fähigkeiten, die ein Tier nicht besitzt:
- Sprache,
- Wissensvermittlung,
- Erinnerung,
- Übersetzung,
- Lernunterstützung,
- Kommunikation mit Angehörigen,
- technische Überwachung,
- Notfallkommunikation.
So könnten beide Systeme unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Das Tier sorgt für körperliche und emotionale Nähe.
Der Roboter sorgt für Kommunikation, Wissen und Sicherheit.
14. Eine mögliche Forschungsperspektive
Damit verbindet sich meine persönliche Geschichte mit einer Entwicklung, die zunächst gar nichts miteinander zu tun zu haben schien.
Ausgangspunkt war die Betreuung älterer Menschen.
Dann kamen Videokonferenzen.
Danach digitale Lernsysteme.
2017/2018 entstand talking.bluepages.de.
Heute stehen leistungsfähige KI-Systeme und soziale Roboter zur Verfügung.
Aus dieser Entwicklung ergibt sich eine mögliche Forschungslinie:
Vom digitalen Kommunikationsmedium zur autonomen Assistenz.
Die zentrale Forschungsfrage könnte dabei lauten:
Wie können KI-gestützte soziale Systeme so in Pflege, Betreuung und Bildung integriert werden, dass sie menschliche Beziehungen ergänzen, Selbstständigkeit fördern und Angehörige entlasten, ohne menschliche Nähe zu simulieren, zu verdrängen oder für andere Zwecke auszunutzen?
Das ist für mich interessanter als die Frage, ob ein Roboter irgendwann „wie ein Mensch“ sein kann.
Denn möglicherweise brauchen wir gar keine künstlichen Menschen.
Wir brauchen künstliche Assistenten, die Menschen dabei helfen, menschlich bleiben zu können.
15. Die ethischen Fragen sind Teil der Technik
Je überzeugender solche Systeme werden, desto wichtiger werden deshalb klare Grenzen.
Zu untersuchen wären insbesondere:
Transparenz
Muss ein Mensch jederzeit wissen, dass er mit einer Maschine spricht?
Datenschutz
Welche Informationen darf ein Roboter über einen Menschen speichern?
Autonomie
Wer entscheidet, welche Handlungen der Roboter auslösen darf?
Verantwortung
Wer haftet, wenn ein System eine Gefahr nicht erkennt oder falsch bewertet?
Abhängigkeit
Kann aus einem hilfreichen Gesprächspartner eine parasoziale Ersatzbeziehung entstehen?
Manipulation
Darf ein Roboter Menschen emotional beeinflussen, um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen?
Menschliche Beziehungen
Wo muss die Technik bewusst an einen Menschen übergeben?
Gerade der letzte Punkt könnte entscheidend sein.
Ein guter Betreuungsknoten wäre vielleicht nicht derjenige, der möglichst viele Situationen selbst löst.
Sondern derjenige, der rechtzeitig erkennt, wann ein Mensch gebraucht wird.
16. Drei Zielgruppen – ein Grundprinzip
Aus den bisherigen Überlegungen lassen sich zunächst drei Zielgruppen ableiten:
| Zielgruppe | Problem | Mögliche Funktion des Roboters | Ziel |
|---|---|---|---|
| Menschen mit Demenz | Einsamkeit, hoher Gesprächsbedarf, Orientierungsschwierigkeiten, Belastung der Angehörigen | Gesprächspartner, Erinnerungshilfe, Sicherheits- und Kommunikationsassistent | längere Selbstständigkeit und Entlastung |
| Kinder und Jugendliche | fehlende Zeit der Eltern, Lernbedarf, problematischer Medienkonsum | Lern- und Gesprächspartner | Bildung und sinnvolle Interaktion |
| alleinlebende Menschen | fehlende soziale Interaktion und Sicherheitsrisiken | Kommunikations- und Assistenzsystem | soziale Stabilität und Sicherheit |
Die Gemeinsamkeit liegt nicht in der jeweiligen Krankheit oder dem jeweiligen Alter.
Die Gemeinsamkeit lautet:
Ein Mensch befindet sich zeitweise allein und benötigt Kommunikation, Unterstützung oder Sicherheit.
17. Von der persönlichen Erfahrung zur Dissertation
Damit könnte aus einem zunächst persönlichen Gedankengang eine wissenschaftliche Fragestellung entstehen.
Meine eigenen Erfahrungen mit Pflege bilden dabei nicht den wissenschaftlichen Beweis.
Sie sind vielmehr der Ausgangspunkt für die Fragestellung.
Die technische Entwicklung von talking.bluepages.de über Videokonferenzen bis zu sozialen Robotern bildet die historische Entwicklungslinie.
Die Forschung zu künstlicher bzw. simulierter Empathie liefert den wissenschaftlichen Bezugsrahmen.
Und die Erfahrungen aus Pflege und Bildung liefern die praktischen Anwendungsfelder.
Die eigentliche Forschungsaufgabe besteht dann darin, diese Bereiche systematisch miteinander zu verbinden.
Nicht die Frage:
„Kann ein Roboter einen Menschen ersetzen?“
sondern:
„Wie muss ein KI-gestützter sozialer Assistent gestaltet sein, damit er menschliche Betreuung sinnvoll ergänzt?“
Diese Perspektive eröffnet meines Erachtens einen wesentlich produktiveren Zugang zur Zukunft der KI.
Denn vielleicht liegt die wichtigste Leistung einer solchen Technologie gerade darin, nicht den Menschen zu ersetzen, sondern ihm Zeit für andere Menschen zurückzugeben.
Quellen:
KI trifft Herz – Pädagogische Hochschule Heidelberg

