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Kommentar zum Beitrag vom Verleger Dirk Ippen: „Dreiklang zu Pfingsten“

Der Mann hat Recht.
Oh komm, du Geist der Klarheit und kehre bei uns ein“ – mit diesem Zitat beginnt Dirk Ippen seine Gedanken zu Pfingsten, einem Fest der geistigen Erneuerung. Ippen steht in der Tradition unabhängiger Verlegerpersönlichkeiten wie Rudolf Augstein, Henri Nannen oder Marion Gräfin Dönhoff. Menschen, die in ihrer Zeit Missstände öffentlich machten und zur Aufklärung beitrugen – damals durch gedruckte Medien, deren Finanzierung nicht nur vom Leser erfolgte, weil er dafür zahlte, sondern auch durch Werbung, die klar erkennbar war.

Heute ist diese Trennung verwischt.
Auch Ippens eigene Verlagsprodukte sind, wie viele andere, gezwungen, mit Microtargeting, Dark Ads und klickgetriebener Aufmerksamkeitsökonomie ihre Refinanzierung zu sichern – ein Preis, den der Qualitätsjournalismus zunehmend mit seiner Unabhängigkeit bezahlt. Eine genauere Analyse dieser Entwicklung findet sich unter:
https://news.konrad-rennert.de/demokratie-in-der-echtzeit-auktion-microtargeting-ueber-nachrichtenwerbung

Ein Vorschlag für eine gerechtere Medienfinanzierung:
Wir zahlen jährlich Milliarden an die GEZ. 2024 waren es 8,74 Milliarden Euro. Diese Rundfunkbeiträge fließen  ausschließlich an überregionale Strukturen und Nischensparten, über die die Bürger weder mitbestimmen können, noch dass sie sie über alle Altersklassen nutzen. Insbesondere jüngere Zielgruppen nutzen diese Angebote nicht. Sie orientieren sich längst an sozialen Plattformen, deren Inhalte oft manipulativer Natur sind.

Warum also nicht das System reformieren?
Ein Kirchenaustritt schafft sowohl die Möglichkeit, sein verfügbares Einkommen zu steigern als auch gegen unerwünschte Dinge in den Amtskirchen Stellung zu beziehen. Richtig ist nur das letztere und ein Kirchenaustritt wäre mit der Umwidmung der entfallenen Kirchensteuer in eine Ethikabgabe verbunden.

Der richtige Weg in unserer freiheitlich demokatischen Grundordnung wäre es, den Rundfunkbeitrag bewusst anteilig umzuwidmen:

  • 50 % verbleiben im öffentlich-rechtlichen System zur Grundversorgung mit überregionalen Nachrichten und Kultur aber ohne Bespassen durch fragwürdige Unterhaltungsangebote
  • 50 % fließen direkt in regionale Medienhäuser – nach individueller Wahl der Bürgerinnen und Bürger.

So würde der Beitrag zum Bekenntnis für lokal verankerte Berichterstattung. Wer sich beispielsweise für eine Lokalzeitung aus der Ippen- oder Madsack-Verlagsgruppe entscheidet, bekäme glaubwürdige, regionale Informationen und stärkt gleichzeitig die Medienvielfalt – ohne Zwang, sondern durch bewusste Entscheidung.

Pfingsten ist das Fest der Erneuerung.
In diesem Sinne sollten wir auch unsere Medienlandschaft erneuern, damit sie unseren Geist beflügelt und Bereichert – durch frei gewählte, transparente Finanzierung und einen echten Wettbewerb zwischen Öffentlich-Rechtlichen und unabhängigen Lokalmedien. Damit lokale Redaktionen künftig nicht mehr ihre journalistische Seele an die „Aufmerksamkeits-Händler“ verkaufen müssen.

Zusatz für eine Veröffentlichung oder Leserzuschrift:
Konrad Rennert – Bürger, Bildungsanbieter, Mediennutzer
E-Mail: konrad.rennert@bluepages.de
Web: https://news.konrad-rennert.de


Ergänzender Kommentar zu „Dreiklang zu Pfingsten“ – im Dialog mit Welzer und Pörksen

Die von Dirk Ippen beschriebene Sehnsucht nach Klarheit und menschlicher Nähe im Dreiklang von Denken – Fühlen – Handeln trifft im digitalen Zeitalter auf eine tiefgreifende Herausforderung: Unsere Informationsräume werden zunehmend von Algorithmen und Aufmerksamkeitsökonomie dominiert.

„Zuschauen ist keine Haltung. Es ist höchste Zeit für Gegenwehr, wenn man die Freiheit erhalten will.“
Harald Welzer, Die smarte Diktatur, 2017 https://www.youtube.com/watch?v=i4bXzFgFU2k
https://www.youtube.com/watch?v=233qtZ3chWY

Diese Gegenwehr beginnt nicht mit Empörung, sondern mit konkreten Gestaltungsoptionen: Mein Vorschlag, 50 % des Rundfunkbeitrags zweckgebunden regionalen Medien zuzuweisen, schafft mediale Handlungskompetenz und unterstützt Vielfalt im Lokaljournalismus – nicht durch Konsum, sondern durch bewusste finanzielle Entscheidung.

Auch Bernhard Pörksen beschreibt diesen Weg als Teil einer neuen demokratischen Bildungsoffensive:

„Der reflektierte Umgang mit Informationen soll zu einem Element der Allgemeinbildung werden.“
Bernhard Pörksen, Die redaktionelle Gesellschaft, 2023

Thema Kernaussage
Fake News und Vertrauensverlust Dialog ist nur möglich, wenn beide Seiten bereit sind. Vertrauen in Medien ist beschädigt durch vergangene Lügen und digitale Desinformation.
Medienlandschaft und Polarisierung Es existieren drei Kommunikationswelten: (1) Hass und Fake News, (2) Hypersensibilität und Cancel Culture, (3) wertschätzender Diskurs – Letztere ist medial unterrepräsentiert.
Soziale Medien und Informationskrieg Social Media ermöglichen sowohl Desinformation (z. B. durch Trollarmeen) als auch Solidarität (z. B. Selenskyjs Auftritt).
Medienbildung Es fehlt an grundlegender Medienkompetenz. Pörksen fordert ein neues Schulfach basierend auf journalistischer Ethik („redaktionelle Gesellschaft“).
Plattformregulierung und Desinformation Große Plattformen wie Facebook handeln oft verantwortungslos. Es braucht Whistleblower, Gesetze und bessere Durchsetzung.
Demokratischer Diskurs Demokratie braucht wertschätzenden Streit, klare Abgrenzung gegen Lügen und dennoch Offenheit zum Dialog. Wahrheit entsteht im Austausch.
Medienkrise und Finanzierung Qualitätsjournalismus leidet unter Finanzierungsdruck und Klickökonomie. Wahrheitsfindung braucht Zeit, aber mediale Aufmerksamkeit verlangt Schnelligkeit.

Und weiter:

„Medienethisches Grundwissen wird zur Voraussetzung für gesellschaftliche Mündigkeit.“

Wenn wir zulassen, dass Bürgerinnen und Bürger eigenständig bestimmen, welche Medienangebote sie über ihren Beitrag unterstützen, fördern wir die Entwicklung hin zu einer „redaktionellen Gesellschaft“:
Eine Gesellschaft, in der nicht nur Journalist:innen redaktionelle Verantwortung tragen – sondern auch die Nutzenden selbst.

Statt Milliarden für ungenutzte oder entpolitisierte Angebote zentral zu verwalten, könnte der öffentlich-rechtliche Beitrag in Zukunft nach dem Prinzip der kulturellen Mitbestimmung funktionieren:

  • Wer regionale Qualität fördern will, tut dies gezielt.
  • Wer neutrale überregionale Nachrichten schätzt, erhält sie weiterhin.
  • Wer Unterhaltung ohne Manipulation sucht, findet neue Formate – ohne auf Plattformlogik hereinzufallen.

Pfingsten – das Fest der Erneuerung – sollte auch Anlass für eine medienpolitische Erneuerung sein: demokratisch, transparent und lokal verankert.

Quellen & Literaturhinweise