KR&KI über Medienkompetenz & Lokaljournalismus:
Über das Gensungen-Szenario, schrumpfende Redaktionen und eine Idee namens LearningLounge
Mai 2026 | ca. 17 Min. Video | Konrad Rennert
Was haben eine schrumpfende Kirchengemeinde im nordhessischen Gensungen und eine schließende Lokalredaktion gemeinsam? Mehr, als man zunächst denkt. Beide folgen derselben Mathematik: Wenn die Abgänge die Zugänge dauerhaft übersteigen, ist der Zeitpunkt des Endes berechenbar.
Diesen Gedanken – das sogenannte Gensungen-Szenario – habe ich Anfang 2026 zu Papier gebracht, nachdem ich beim Silvester-Gottesdienst in Gensungen der Jahresbilanz der Pfarrerin zugehört hatte: 40 Todesfälle in der Gemeinde, 12 Taufen, eine Hochzeit. Die Zahlen sprechen für sich.
Ersetzen Sie „Taufen“ durch „Neu-Abonnenten“ und „Todesfälle“ durch „Kündigungen und versterbende Leser“ – und Sie haben das Modell der Lokalzeitung.
Warum das mehr als ein Wirtschaftsproblem ist
Der Auflagenrückgang ist seit Jahren dokumentiert. Werbeumsätze wandern zu Google und Meta ab. Druckkosten steigen. Redaktionsstandorte werden geschlossen. Das ist bekannt. Was weniger diskutiert wird: Wenn die Lokalzeitung stirbt, entsteht ein Vakuum – und dieses Vakuum wird gefüllt, aber nicht von Qualitätsjournalismus.
Jan Böhmermanns Recherche im ZDF Magazin Royale hat gezeigt, wie in Teilen Ostdeutschlands kostenlose Anzeigeblätter die Lücke besetzen, die unabhängige Lokalmedien hinterlassen haben. Häufig stehen dahinter Herausgeber mit klarer politischer Agenda. Die Menschen lesen, was vorhanden ist – und merken nicht, dass sie dabei beeinflusst werden. Social Media verstärkt diesen Effekt noch.
Sinkende Wahlbeteiligung in Regionen ohne Lokalzeitung, wachsende Polarisierung, der strategische Einsatz von Gratismedien durch radikale Akteure – das ist keine Theorie, sondern empirisch belegbar.
Fünf Kerngedanken aus dem Vortrag
| 01 Das Geschäftsmodell der Lokalzeitung ist strukturell kaputt – das ist keine Meinung, sondern Mathematik. | 02 Die Krise ist nicht nur eine Wirtschafts-, sondern eine Demokratiekrise. | 03 Der Zeitpunkt des Scheiterns – und der notwendigen Gegenmaßnahmen – lässt sich berechnen. |
| 04 Bürgerinnen und Bürger können aktiv zur Informationsqualität beitragen, wenn man ihnen Werkzeuge und Räume gibt. | 05 Digitale Mündigkeit ist keine Kür – sie ist Voraussetzung für eine funktionierende lokale Demokratie. |
Die LearningLounge als konstruktiver Gegenentwurf
Was also tun? Mein Vorschlag ist keine große Reform, sondern ein niedrigschwelliger Anfang: lokale LearningLounges – kleine Gruppen von Menschen vor Ort, die sich regelmäßig treffen. In der Kaffeecke vor der Bäckerei. In einer Videokonferenz. Im Vereinsraum.
Diese Gruppen beobachten lokale Entwicklungen, recherchieren mit einfachen digitalen Werkzeugen und KI-Unterstützung – und arbeiten seriösen Lokalredaktionen zu. Nicht als Ersatz für Journalismus, sondern als Verstärker. Die Redaktion behält die Qualitätskontrolle; die Bürgerinnen und Bürger liefern Hinweise, Beobachtungen, Zusammenfassungen.
Was dabei passiert: Medienkompetenz wächst nicht als Schulfach, sondern aus echtem Bedarf. Wer lernt, weil er etwas bewirken will, lernt nachhaltiger als wer lernt, weil er muss.
Transparenzhinweis zur Entstehung
Dieser Vortrag ist ein praktisches Beispiel für kollaboratives Arbeiten mit KI. Ausgangsmaterial waren drei offene Browser-Tabs: mein eigener Beitrag zum Gensungen-Szenario, eine KI-gestützte Google-Suche zu Lokalzeitungen in der Krise und das Transkript der erwähnten ZDF-Sendung. Diese Materialien wurden Claude übergeben mit dem Auftrag, daraus einen Vortrag für die freie Rede zu erstellen.
Das Ergebnis ist das Video oben – ein erster, ungeübter Durchlauf mit echten Versprechern und allem, was dazugehört. Kein Avatar, kein KI-Sprecher. Weil das so beabsichtigt ist.
#Lokaljournalismus #Medienkompetenz #Demokratie #LearningLounge #Gensungen-Szenario #DigitaleMündigkeit
Dieser Beitrag entstand unter aktiver Beteiligung von Claude (Anthropic). Text und Struktur wurden gemeinsam mit dem Autor entwickelt. Die Positionen und Wertungen sind die des Autors.

