Dokumentation und KI-gestützte Auswertung historischer Akten zur NS-Vergangenheit in Bad Wildungen und Umgebung
Ziel: Systematische Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte durch Archivrecherche, digitale Methoden (KI, Datenbanken) und lokaler Erinnerungsarbeit.
1. Ausgangspunkt: Der erste Kontakt mit dem Thema
Wer war beteiligt?
- Konrad Rennert (Autor, *1954), privat historisch interessiert, mit regionalem Bezug zu Nordhessen.
- Moritz Maus (1893–1961), Heimatforscher und Schriftleiter (staatlich geprüfter NS-Journalist) der Lokalpresse in Bad Wildungen.
- Manfred Hülsebruch, ehemaliger Stadtarchivar Bad Wildungen, der nach Maus‘ Tod unveröffentlichte Dokumente in dessen Nachlass entdeckte.
Was geschah?
Am 15. Januar 2026 stießen meine Frau und ich in Bad Wildungen auf zwei Hinweistafeln:
- Am Bahnhof: Informationen zur 1. Etappe der Deportationen nach Kassel.
- An einer Mauer nahe der Stadtkirche: Gedenktafel für Moritz Maus.
Recherche zu Maus ergab:
- Er war als Journalist Augenzeuge der Pogromnacht 1938 (Zerstörung der Synagoge), veröffentlichte dazu aber nie etwas.
- Ein HNA-Artikel (26.08.2015) berichtete, dass Hülsebruch in Maus‘ Nachlass Material fand, das auf Verschweigen oder Vertuschen hindeutet.
Wann und wo?
- 15.01.2026: Erste Hinweise auf interessante Zusammenhänge in Bad Wildungen.
- NS-Zeit (1933–1945): Maus‘ Tätigkeit als Schriftleiter; Pogromnacht 1938.
- Nach 1945: Maus arbeitete weiter für die Lokalpresse (später „Waldeckische Landeszeitung“), schwieg aber zu den beobachteten NS-Verbrechen.
Warum?
- Forschungsfrage: Warum veröffentlichten lokale Akteure wie Maus keine kritischen Berichte über NS-Verbrechen?
- Hypothese: Angst vor Repressionen, Scham, Karriere-Risiken oder ideologische Überzeugung?
Wie ging es weiter?
- Erste Schritte: Online-Recherche zu Maus, Kontaktaufnahme mit dem Hessischen Staatsarchiv Marburg für Akteneinsicht.
- Quellen:
Offene Fragen für Ansprechpartner:
- Gibt es weitere lokale Zeitzeugenberichte zu Moritz Maus oder anderen Journalisten der NS-Zeit in Bad Wildungen?
- Hinweis: Das Stadtarchiv Bad Wildungen könnte unbearbeitete Bestände zu Maus‘ Nachlass haben.
2. Archivrecherche: Akten zu jüdischen Mitbürgern
Wer steht im Fokus?
- Helene Külsheimer, Sally Hirsch, Siegmund Samuel, Leopold Marx – jüdische Bürger Bad Wildungens, deren Akten im Hessischen Staatsarchiv Marburg lagern.
- Helene Külsheimer aus dem Vöhler Ortsteil Basdorf ist besonders interessant für den Autor, weil sie bis 1912 im Umfeld seiner Basdorfer Großmütter und seines Vöhler Großvaters wohnte, der in der Nachbarschaft der Synagoge auf einem Bauernhof aufwuchs
Was enthielten die Akten?
- Dokumente zur „Arisierung“ jüdischen Eigentums:
- Steuer- und Vermögenserklärungen (Finanzamt Korbach).
- Verträge mit NS-Behörden (z. B. Heimeinkaufsverträge).
- Deportationslisten und Korrespondenz mit NS-Stellen.
- Ziel der Akten: Vorbereitung der Beschlagnahmung jüdischen Vermögens (bestätigt durch KI-Recherche, siehe Abschnitt 3).
Wann und wo?
- 28.01.2026: Aktenbestellung via Arcinsys-Datenbank (Hessisches Staatsarchiv Marburg).
- NS-Zeit (1933–1945): Entstehung der Akten.
- Ort: Bad Wildungen und Vöhl (Basdorf) – Lebensmittelpunkte der Betroffenen, die früh starben, flüchteten oder in Konzentrationslagern ermordet wurden.
Warum?
- Forschungsfrage: Wie wurden jüdische Bürger ab 1933 systematisch entrechtet?
- Lokale Bedeutung: Viele Akten betreffen Personen an Orten, die der Autor durch familiäre Bezüge oder seine Schulzeit kennt.
Wie wurde gearbeitet?
- Digitalisierung der Akten per Smartphone (mit Genehmigung des Archivs).
- Veröffentlichung unter Angabe der Quelle (gemäß Archivrichtlinien).
- Quelle:
Offene Fragen für Ansprechpartner:
- Gibt es weitere, noch nicht digitalisierte Aktenbestände zu jüdischen Bürgern in Bad Wildungen oder Vöhl?
- Hinweis: Kontakt zum Vorstand des Förderkreis „Synagoge in Vöhl“. Von dort könnten weitere Ergänzungen geliefert werden.
3. KI-gestützte Auswertung: Lektionen aus dem ZDF-Fall
Wer/Was?
- KI-Tool „LeChat“: Genutzt für die Quellenrecherche zum Formular „Verzeichnis über das Vermögen von Juden“ (Finanzamt).
- Ergebnis: 62 Quellen in 5 Minuten ausgewertet → 4-seitiges PDF (englisch) mit Bestätigung:
- Das Formular diente der Vorbereitung der „Arisierung“ (scheinhafte Legalität).
Wann und wo?
- 2026: KI-Recherche während der Aktenauswertung.
- Ort: Digital (KI-Tool), mit Bezug zu Bad Wildungen.
Warum?
- Qualitätssicherung: Vermeidung von Fehlern wie beim ZDF (KI-generierte Bilder ohne Originalbezug → Vorwurf der Fälschung).
- Ziel: Transparente Darstellung der historischen Kontexte.
Wie?
- KI-Recherche zu Formularen.
- Übersetzung des PDFs.
- Verlinkung unbekannter Begriffe (z. B. „Arisierung“).
Offene Frage für Ansprechpartner:
- Wie bewerten Sie den Einsatz von KI in der Geschichtsforschung? Gibt es ethische Leitlinien für lokale Projekte?
4. Parallelen zu früheren Forschungen
Wer?
- Elfriede Kock (KZ-Aufseherin in Trendelburg), die nach 1945 in der Kirche aktiv war.
Was?
- Muster: Zeitzeugen schwiegen aus Scham oder Angst (z. B. Maus, Kock).
- Dokumentation:
Warum?
- Forschungsfrage: Wie ging die Nachkriegsgesellschaft mit Tätern und Mitläufern um?
Offene Frage für Ansprechpartner:
- Gibt es ähnliche, noch nicht dokumentierte Fälle in Bad Wildungen oder Vöhl?
5. Stolpersteine und lokale Erinnerungsarbeit
Wer/Was?
- Stolpersteine: Gedenkprojekte für Opfer des NS-Regimes.
- Alemannia Judaica: Plattform zur Dokumentation jüdischer Geschichte.
- Lokale Initiativen:
- Karl-Heinz Stadtler (Synagoge Vöhl e.V.)
- Dieter Vaupel (Regionalhistoriker)
Wie?
- Zusammenarbeit: Geplante Treffen mit Stadtler und Vaupel zur Vernetzung und Quellenergänzung.
Offene Fragen für Ansprechpartner:
- Welche lokalen Projekte zur NS-Aufarbeitung gibt es bereits?
- Wie können digitale Methoden (KI, Datenbanken) die Arbeit unterstützen?
6. Persönliche Motivation und Fazit
Wer?
- Autor: Jahrgang 1954, aufgewachsen mit Bruchstücken von Zeitzeugenberichten und der Erkenntnis, dass sich manche Fragen mit Hilfe der Arcinsys-Datenbank lösen lassen, um wissenschaftlich gesicherte Originalquellen einzubeziehen.
Warum?
- Ziel: Verbindung von persönlichen Erinnerungen und archivalischen Fakten für ein differenziertes Geschichtsbild.
- Spaß an der Erforschung ungeklärter Daten mit digitaler Unterstützung – ähnlich der systematischen Herangehensweise in der Physik-Diplomarbeit.
Fazit:
- Lokale Geschichte muss dokumentiert werden – für Opfer und Täter/Mitläufer.
- KI und digitale Tools können helfen, Lücken zu schließen (Sie müssen aber kritisch geprüft werden!).

