Ein Vorschlag zur Schaffung einer Win-Win-Situation für zeitgemäße digitale Weiterbildung an VHS auf Basis mehrerer bereits durchgeführter Pilotprojekte mit Videokonferenzsoftware.

Hintergrund

Völlig neue Ansätze ohne Denkblockaden sind nötig. Die bestehenden Strategien des DVV mit der 2015 verabschiedeten Strategie „Erweiterte Lernwelten“ waren nicht zielführend. Das Manifest vom 5. 12. 2015 formuliert lediglich Annahmen. Mit diesen Annahmen kann genauso wenig nachhaltige digitale Weiterbildung gestartet werden wie in den 5 Jahren nach der 2015 verabschiedeten Strategie „Erweiterte Lernwelten“.

Seit 5 Jahren ist fast nichts geschehen, außer dass man von einem kleinen deutschen Softwarehaus eine wenig bekannte Lernplattform beschafft und etwas angepasst hat. Bei Dozenten und Nutzern ist sie praktisch unbekannt. Lehrer, Schüler, Azubis, Studenten und junge Berufstätige kennen aus Schule, Ausbildung und Hochschule Open-Source-Plattformen. Das Lernen mit Moodle, Ilias, Olat, StudIP usw. sind sie gewohnt. Wenn sich der Verband für eine dieser bekannten Plattformen entschieden hätte, wäre für viele Beteiligte die Einarbeitung in eine kaum bekannte Plattform unnötig gewesen.

Das DVV-Manifest https://www.volkshochschule.de/bildungspolitik/digitalisierung/manifest-digitale-transformation-von-vhs.php enthält 5 Annahmen voller unkonkreter akademisch formulierter Worthülsen und Technik-Denglisch. Es entlarvt das Team, das sich „AG Digitalisierungsoffensive im Auftrag des DVV-Vorstands/OFA“ nennt mit einer vielsagenden Evaluations-Ankündigung:

„Die Aktivitäten werden einmal jährlich auf ihren Fortschritt geprüft und bewertet.

Im Rahmen dieser Strategie verfolgen wir auch die Fortführung des Projektes Erweiterte Lernwelten (ELW II/ vhs.now), für das gesonderte Verabredungen getroffen werden.“

Eindrucksvoller kann man seine Ahnungslosigkeit in Sachen der raschen Entwicklung der digitalen Weiterbildung nicht belegen. Diese Fehlleistung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die 900 Volkshochschulen die größten Anbieter von Weiterbildung in Deutschland sind. Beim Wissen um den Umfang und der Geschwindigkeit mit der in Sachen Digitalisierung gehandelt werden muss, scheint der Verband jedoch kompetenzfrei zu sein. Wer einmal jährlich evaluieren will, hat den Handlungsdruck bei der digitalen Weiterbildung nicht erkannt. Den Beleg für diese Aussage hat der Verband selbst mit der Veröffentlichung des Manifestes erbracht. Es muss nach Lösungen ohne Mitwirkung des überforderten DVV-Teams gesucht werden.

Modell 1 – Die Neugründung einer überregionalen digitalen VHS

Die digitale VHS für den deutschsprachigen Raum wird als gGmbH gegründet. Sie ist bereit mit allen bisherigen Kursleitern zusammenzuarbeiten, welche ihr Angebot sowohl in der bisherigen Form als auch in Form von Videopräsenzschulungen für die digitale VHS anbieten wollen.

Dozenten/Kursleiter können ihren Kurs aus dem eigenen Home-Office in der gewohnten Präsenzform senden. Die Kursteilnehmer nehmen mit eigenem Gerät aus ihrem Mobile-Office oder Home-Office teil (BYOD). Das erspart die Anfahrt und schont die Umwelt und ermöglicht die barrierefreie Nutzung von Angeboten, die es im Bereich der nächsten Kreisvolkshochschule nie gibt, weil sich weder Kursleiter noch eine ausreichende Teilnehmerzahl einfinden.

Das Kursangebot wird wesentlich umfangreicher, weil bundesweit Dozenten aus dem akademischen Prekariat der Hochschulen angesprochen sind, um sich freiberuflich via Videokonferenz am Ausbau eines umfassenden Weiterbildungsangebotes für den gesamten Sprachraum zu beteiligen. Ein Kurs findet immer dann statt, wenn sich bundesweit die Mindestteilnehmerzahl dafür findet.

Mehrere Pilotveranstaltungen haben gezeigt, dass die Teilnehmer zur Ersteinweisung mit dem eigenen Notebook, Tablet oder Smartphone mit dem Kursleiter zusammentreffen sollten. Falls sich dafür keine Kreisvolkshochschulen mit Seminarräumen und mit freiem WLAN finden, könnte die Ersteinweisung auch in Jugendherbergen und Tagungsräume von Hotels stattfinden, wenn sie sich in der Nähe eines ICE-Bahnhofs befinden.

Modell 2 Outsourcing des Weiterbildungsmarktplatzes und eine kompetente Digitalsparte in den lokalen Volkshochschulen

Eine handlungsfähige unabhängige Betreibergesellschaft für einen gemeinnützig geführten Weiterbildungsmarkplatz wird als gGmbH gegründet. Wer Produkte bei Amazon & Co einkauft wird den Gebrauch dieses Datenbank-basierenden Weiterbildungsmarktplatzes sofort verstehen: Es gibt Kategorien und daneben ein Suchfeld, mit dem Weiterbildungsangebote gesucht werden. Man klickt in der Trefferliste auf Kursbeschreibungen und findet die Anzahl der Bewertungen von früheren Teilnehmern und deren zugehörige Kommentare.

Die gGmbH überträgt die Projektleitung und Finanzierung des Marktplatzes an die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung. So kann die Expertise interessierter Hochschulen in ein Projekt eingehen, bei dem ein mehrjähriger kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu erwarten ist. Die geschilderte Zusammenarbeit beim Projekt ist auch im Modell 1 sinnvoll.

Jeder auf dem Marktplatz agierende Dozent bestimmt die Höhe seines Honorars für seine Kursangebote selbst und zahlt davon einen angemessenen Anteil für den Aufbau und dem Betrieb der Plattform. Mit diesem Betrag sollen keine Gewinne erwirtschaftet werden. Wenn es trotzdem bei der Bilanzierung der gGmbH Überschüsse gibt, könnten damit Videokonferenzkurse in Flüchtlingslagern finanziert werden, damit sich potenzielle Migranten schon aus der Ferne mit der Sprache und den Gepflogenheiten und den Weiterbildungsmöglichkeiten in Ihrem Zielland auseinandersetzen können. Wer so aus der Ferne informiert einreisen darf, kann leichter in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Gewinner dieser Datenbanklösung sind zum einen die Dozenten, weil sie öfter per Videokonferenz unterrichten können und dabei selbst die leistungsgerechten Honorare festsetzen dürfen welche nicht mehr nach einfacher Anwesenheit bemessen sind. Zum anderen sind die Teilnehmer die Gewinner, weil sie mit Menschen und Themen auf allen Niveaustufen in Berührung kommen. Eine solche Vielfalt wird sich in ihrer Dynamik in den gedruckten Katalogen der Kreisvolkshochschulen nie abbilden.

Für Teilnehmer und Dozenten ist das Geschilderte eine WIN-WIN-Situation. Aber auch für die seit 100 Jahren bestehenden klassischen kommunalen VHS ist das eine WIN-Situation. Voraussetzung ist, dass sie mit dem vorhandenem Personal eine kompetente Digitalsparte einrichten können, die sich mit diesem Modell identifiziert.

Die Digitalsparte der lokalen VHS organisiert die Ersteinweisung an den von den Teilnehmern mitgebrachten Geräten in ihren mit WLAN-ausgestatteten Räumen. Sie betreut auch Teilnehmer ohne ausreichende IT-Erfahrung in den eigenen Räumen bis sie selbständig aus der eigenen Wohnung oder dem Home-Office teilnehmen können. Die Finanzierung der Digitalsparte geschieht über die Entgelte für die Ersteinweisung und für die Betreuung von Neulingen bis sie die eigene Weiterbildung per Videopräsenzseminar ohne Unterstützung im eigenen Umfeld fortsetzen können.

Resümee

Die jetzige VHS muss schnell modernisiert werden. Mit einer zeitgemäß organisierten digitalen VHS kann nachhaltige Weiterbildung stattfinden.