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Bildung 4.0: KI, lebenslanges Lernen und die Suche nach den richtigen Partnerstrukturen

Das Titelbild verbindet die bpb-Grafik zu den „KI-Paradoxien“ mit einer Regierungsrede zur technologischen Souveränität: schöne Worte treffen auf widersprüchliche Praxisfelder im Bildungsalltag.

Künstliche Intelligenz (KI), digitale Souveränität und lebenslanges Lernen sind keine Randthemen mehr – sie entscheiden darüber, ob Bildungseinrichtungen künftig noch handlungsfähig sind.
Dieser Beitrag richtet sich an Menschen und Organisationen, die Bildung nicht nur „weiter verwalten“, sondern strategisch neu denken wollen.

Ich beobachte seit einigen Jahren, wie KI meine eigene Weiterbildung verändert – zuerst beruflich, jetzt im Ruhestand. Aus diesen Erfahrungen und einer KI-gestützten Analyse ist ein Impuls entstanden, der beim Treffen in Würzburg diskutiert wird:
Wie müssen sich Bildungsakteure – exemplarisch ZUM.DE – strukturell aufstellen, um digitale Bildung mit KI über alle Lebensphasen hinweg zu gestalten?


🧠 Lernen über Lebensphasen hinweg – ein erweiterter Bildungsbegriff

Bildung ist ein dynamischer, lebensbegleitender Prozess. Die Anforderungen an Lernstrukturen unterscheiden sich deutlich je nach Lebensphase:

  • Schule:
    Lernen „auf Vorrat“ – Grundlagen und Kompetenzen für eine noch offene Zukunft.

  • Erwerbsleben:
    Bedarfsorientiertes Lernen – neue, oft KI-relevante Kompetenzen für konkrete berufliche Anforderungen.

  • Ruhestand:
    Sinnorientiertes Lernen – aus Interesse, Freude und zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe.

Didaktische Einsicht:
Wer KI in der eigenen Weiterbildung und im beruflichen Alltag praktisch nutzt, kann Chancen und Risiken realistischer einschätzen.
Diese Erfahrung sollte systematisch in Bildungsformate einfließen – z. B. in:

  • Lehrerfortbildungen zu KI-gestütztem Unterrichten,

  • Online-Kurse für Erwachsene zur digitalen Selbstsouveränität,

  • Angebote für Ruheständler, die ihre Expertise mit KI-Unterstützung weitergeben möchten.


🤖 KI: Lerninhalt und Lernwerkzeug zugleich

Künstliche Intelligenz ist doppelt relevant:

  • Als Lerninhalt:

    • Was ist KI technisch und gesellschaftlich?

    • Welche Kompetenzen braucht man für einen souveränen Umgang?

  • Als Lernwerkzeug:

    • Unterstützung bei Recherche und Wissensaufbereitung

    • Hilfe bei Textarbeit, Auswertung und Analyse

    • Reflexion und Feedback in Lernprozessen

Gerade weil KI so mächtig ist, müssen Themen wie Bias, Datenschutz, Transparenz und Abhängigkeiten ausdrücklich mitgedacht werden.
Die zentrale Aufgabe lautet: Strukturen zu schaffen, die KI-Kompetenz als Querschnittsthema über alle Alters- und Zielgruppen hinweg verankern – ohne die gewachsenen Wurzeln schulischer Bildung zu kappen.


🏛 Strategische Optionen: Wer kann die Initiative tragen?

Um diesen Wandel professionell und langfristig zu gestalten, braucht es tragfähige, gemeinnützige Strukturen. Es geht dabei nicht nur um die Weiterentwicklung eines einzelnen Akteurs wie ZUM.DE, sondern um ein breites Bündnis.

1. Organisatorische Optionen (Strukturen)

Option Beschreibung Vorteile
Vereinsreform (z. B. ZUM e.V.) Erweiterung des Vereinszwecks; neue Arbeitsgruppen zu KI, Weiterbildung, Ruhestand. Ideelle Basis und gewachsenes Netzwerk bleiben erhalten.
Gründung einer gGmbH Professioneller Rahmen (z. B. „ZUM Bildungslabor gGmbH“) für Projektmanagement, Anstellungen, große Förderprojekte. Klare Fokussierung auf gemeinnützige Digitalbildung, hohe Flexibilität.
Hybridmodell Verein als ideeller Träger und Netzwerk; gGmbH als operativer Arm (Projektumsetzung, Plattformbetrieb). Kombination aus Ehrenamt und Professionalität.

Ich selbst tendiere zu Hybridlösungen: Die ideelle Kraft eines Vereins und die Professionalität einer gGmbH schließen sich nicht aus – sie können sich sinnvoll ergänzen.

2. Mögliche Partner und Träger

Neben etablierten Akteuren wie ZUM.DE kommen weitere Organisationen als Träger, Mitgestalter oder Förderer in Frage:

  • Zivilgesellschaft:
    NGOs und Bildungsinitiativen (z. B. Wikimedia, Open Knowledge Foundation).

  • Staatliche / öffentliche Einrichtungen:
    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und weitere Bildungswerke.

  • Kirchliche Träger:
    Evangelische und katholische Akademien mit bestehenden Weiterbildungsstrukturen.

  • Wirtschaft:
    Verantwortungsbewusste Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bildungsverlage, die an digitaler Souveränität und zukunftsfähiger Bildung interessiert sind.


🌍 Politischer Rückenwind: Digitale Souveränität

Digitale Souveränität, technologische Unabhängigkeit und Resilienz sind längst Teil der politischen Agenda – die Reden dazu sind wohlformuliert. Gleichzeitig machen Visualisierungen wie die „KI-Paradoxien“ (z. B. bei der bpb) deutlich, wie groß die Spannungsfelder in Schulen, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen tatsächlich sind.

Die Förderung von:

  • KI-Kompetenz,

  • offenen Bildungsressourcen (OER),

  • und hochwertigen digitalen Lernformaten

passt genau in diesen Kontext.

Strukturen, die KI und lebenslanges Lernen strategisch integrieren, leisten einen direkten Beitrag zur Bildungszukunft Deutschlands und Europas – und erhöhen zugleich die Förderfähigkeit für Pilotprojekte, Modellversuche und Kooperationen zwischen öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Partnern.


📌 Diskussions- und Handlungsimpuls

Die skizzierten Überlegungen sollen eine nachvollziehbare Denklinie für strategische Gespräche liefern. Zentrale Leitfragen sind:

  • Rolle:
    Wo soll ein Akteur wie ZUM.DE in 5–10 Jahren stehen – als überwiegend schulzentrierte Plattform oder als breit akzeptierter Träger digitaler Bildung über alle Lebensphasen hinweg?

  • Fokus:
    Welche Bedeutung messen wir KI-Kompetenz und KI-gestützten Lernformen in unserer zukünftigen Arbeit bei?

  • Strukturbedarf:
    Reicht eine Reform bestehender Strukturen, oder braucht es ergänzend eine professionelle Organisationsebene (z. B. gGmbH)?

Klar ist:
Die Zukunft der Bildung lässt sich nur in einem breiten Bündnis aus zivilgesellschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen Akteuren gestalten.

Wer Interesse hat, an einer solchen Struktur mitzudenken, Pilotprojekte zu entwickeln oder eigene Erfahrungen einzubringen, kann sich gerne bei mir melden.


Hinweis zum Titelbild:
Die KI-Paradoxien-Grafik basiert auf einer Darstellung von Joscha Falck auf bpb.de (Lizenz: CC BY-SA 4.0).