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Offener Brief an die Herausgeber von Zeit, Spiegel und Süddeutscher Zeitung

Zur Aufarbeitung von Nazi-Akten mit Sachverstand und KI-gestützten Methoden: Ein Aufruf zur Gründung eines gemeinsamen Bildungs-Startups

September 2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Redaktionen haben in diesem Jahr begonnen, die Karteikartenakten der NSDAP-Mitgliedschaft öffentlich auszuwerten und KI-unterstützt zu recherchieren. Der Spiegel berichtete über Luisa Neubauers Urgroßvater aus der Reemtsma-Linie. Die Zeit und WirtschaftsWoche haben schon vor Jahren über die NS-Verknüpfungen der Familien Quandt und Brenninkmeijer berichtet. Jeder kann jetzt deren alte Akten ansehen. Das ist wichtig und richtig. Aber es ist unvollständig und gelegentlich fehlerhaft, vor allen Dingen dort, wo KI mit automatisierter Texterkennung arbeitet.

Ich möchte Sie und alle daran Interessierten zu einem offenen Gespräch einladen und gleichzeitig ein konkretes Angebot machen.

Die mathematische Wirklichkeit

Wer hat keine Nazis unter seinen Vorfahren? Die Wahrscheinlichkeit, dass das der Fall ist, sinkt exponentiell mit jeder Generation. Jeder Mensch hat 2 Eltern, 4 Großeltern, 8 Urgroßeltern, 16 Großgroßeltern. Bei dieser mathematischen Progression wird es bald statistisch unmöglich sein, auf keine NSDAP-Mitglieder unter den Vorfahren zu treffen.

Die Akten sprechen eine klare Sprache: Zwischen 1933 und 1945 hatten sich etwa 8 bis 9 Millionen Deutsche der NSDAP angeschlossen – mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Karteikartenakten sind auf dem Bundesarchiv-Portal zugänglich und in weniger professionell bearbeiteter Form über Such-Portale bei SZ, Zeit und Spiegel.

Prominente Beispiele: Offenheit statt Scham

Berichterstattung zeigt zunehmend die Personen und Familien, die sich dieser Aufarbeitung nicht verweigern:

  • Luisa Neubauer (Fridays for Future) machte öffentlich, dass ihr Urgroßvater Alwin Reemtsma in der Waffen-SS Karriere machte und dass die Reemtsma-Unternehmen von ihrer Nazi-Vernetzung und Parteispenden profitierten.
  • Die Familie Quandt diskutierte offen ihre Verstrickung in der Wirtschaft des Dritten Reiches.
  • Maurice Brenninkmeyer (C&A) sprach vor Jahren über die Nazi-Geschichte seiner Familie.

Diese Menschen exemplifizieren, was möglich ist: Aufarbeitung ohne Beschönigung, ohne Leugnung – aber auch ohne lähmende Schande.

Ein persönliches Zeugnis aus meiner eigenen Familie

Ich bin Jahrgang 1954. Mein Großvater war Mitglied der NSDAP – ein sogenannter Mitläufer, der nach einem Spruchkammerverfahren als entnazifiziert galt. Damit endet es nicht.

Mein Onkel (Jahrgang 1922) war freiwillig SS-Angehöriger. Nach Vergleich von Aktenlage und Berichten von Zeitzeugen bin ich mir sicher: Er war nicht Mitläufer, sondern Täter. Er war an der Niederschlagung des Aufstandes im Warschauer Getto beteiligt, 1943. Die Juden dort wussten, dass Vernichtungslager auf sie warteten. Sie wehrten sich. Mein Onkel wurde verwundet – ein Lungenschuss, der beinahe tödlich gewesen wäre.

Die Familie konnte die Hintergründe seines Warschauer Aufenthaltes lange Zeit nicht einordnen. Bei seinem letzten Heimataufenthalt sagte der Onkel zur Familie: ‚Über die Geschehnisse in Warschau darf ich nicht sprechen. Vielleicht nach dem Krieg…‘ Nach dem Urlaub in Nordhessen wurde er zum leichten Dienst an den Atlantikwall in der Normandie abkommandiert, angeblich zur Rekonvaleszenz. Kurz nach der Invasion 1944 fiel er bei den ersten Kämpfen. Er konnte nichts mehr berichten.

Solche Schicksalsberichte gibt es häufiger und durch die Freigabe alter Datenbestände könnte es in zukünftigen Generationen mehr Klarheit über das Leben im 3. Reich geben – wenn alle verfügbaren Akten und persönlichen Erzählungen wissenschaftlich ausgewertet würden. Die meisten Deutschen würden statistisch betrachtet wahrscheinlich auf Täter unter ihren Vorfahren stoßen. Das ist keine Schande – es ist ein historisches Faktum.

Das Problem: KI-Fehler in der Archivarbeit

Ihre Redaktionen (SZ, Spiegel, Zeit) haben Zugang zu den Datenbeständen der Amerikaner erhalten und nutzen KI-gestützte Texterkennung (OCR), um die Karteikartenakten auszuwerten. Das ist innovativ. Aber es ist nicht sachgerecht, weil KI-Bearbeitungen unsicher sind.

Die KI-Transkriptionen alter Handschriften sind systematisch fehlerhaft. Beispiel: Luisa Neubauers Urgroßvater hieß Alwin Reemtsma. In den KI-Auswertungen der Süddeutschen Zeitung wird daraus ein ‚Armin Reemtsma‘, geboren 1.1.1925, Parteieintritt 1.5.1937. Das ist mathematisch unmöglich – ein 12-Jähriger wurde nicht in die NSDAP aufgenommen. Die handschriftliche Karteikarte ist kaum lesbar, aber mit sachverständiger Recherche in anderen Quellen ließen sich die Fehler korrigieren: Reemtsma (Familie) – Wikipedia

KI-Auswertungen können eine erste Schicht sein. Sie ersetzen nicht Sachverstand, Kontextrecherche und menschliche Urteilskraft.

Ein Angebot: Gründung eines Bildungs-Startups

Ich bin über 70 Jahre alt. Ich bin Diplom-Physiker. Seit 1983 arbeite ich mit PCs und der digitalen Inhaltsproduktion. Jahrzehntelang war ich als externer IT-Trainer und Datenschutz-Berater in großen Unternehmen tätig. Datenbankanwendungen, Datenschutz, Internetrecherche – das war mein Berufsleben. Gleichzeitig bin ich immer noch als Online-Trainer aktiv und nutze dazu Videokonferenzen.

Seit Jahren beschäftige ich mich mit KI-gestützten Methoden – dokumentiert auf meiner Website konrad-rennert.de unter der Kategorie ‚KR&KI‘ (Konrad Rennert & Künstliche Intelligenz). Ein besonderes Projekt ist ‚Serious Online Database Training‘ (SODT) – die spielerische und kollaborative Erschließung von Täter- und Mitläufer-Datenbanken zur Ergänzung von Opfer-zentrierten Erinnerungskulturen.

Ich stelle mein komplettes Wissen zur Verfügung und bin bereit, an einem Startup mitzuwirken, das folgende Ziele verfolgt:

  • Aufarbeitung der freigegebenen Nazi-Akten mit wissenschaftlicher Rigor (keine unkontrollierten KI-Transkriptionen).
  • Kollaborative Datenbanken für sachverständige Recherche, die sowohl Opfer als auch Täter und Mitläufer berücksichtigen.
  • Bildungsangebote: Online-Kurse für Schulen, Universitäten und interessierte Bürger zum Umgang mit diesen Akten.
  • KI-Unterstützung als Werkzeug, nicht als Lösung – mit ständiger Korrektur durch sachverständige Menschen.

Ein solches Startup könnte zu einem Leuchtturmprojekt werden – ein Modell für europäische Aufarbeitungskulturen.

Konkrete nächste Schritte

Ich lade Sie zu einem Gespräch ein – entweder Sie oder Ihre Kollegen, die für Archive und Zeitgeschichte zuständig sind. Per Videokonferenz oder in Person.

Folgende Punkte könnten Thema sein:

  • Analyse des KI-Fehlerproblems in der aktuellen Berichterstattung.
  • Design einer sachgerechten Datenbank für Nazi-Akten (unter Berücksichtigung von Datenschutz und historischer Forschung).
  • Gründungsstruktur eines Startups oder einer Initiative (gGmbH, Forschungsverbund, etc.).

Alle Interessierten können sich direkt an mich wenden: E-Mail oder Videokonferenz.

Zum Schluss

Es ist leichter, offen über Nazi-Großväter zu sprechen, wenn man nicht selbst noch direkt involviert war. Das war die Generation meines Vaters – sie schwiegen, aus Scham, aus Verdrängung, aus Angst. Unsere Generation kann das anders machen.

Die Akten sind frei. Niemand von den Tätern lebt mehr – sie hätten heute über 100 Jahre alt sein müssen. Es geht nicht um Bestrafung. Es geht um Wahrheit, um Verständnis, um die Kraft, mit der Geschichte umzugehen.

Ich bin bereit dafür. Seid Ihr es auch?

Mit freundlichen Grüßen

Konrad Rennert
Diplom-Physiker, Online-Dozent, Datenschutz-Fachmann, KI-Berater
Felsberg, Nordhessen

www.konrad-rennert.de | news.konrad-rennert.de
KR&KI: https://claude.ai/chat/513a03c4-c5fd-408f-8b1f-2cb221a4efaf

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