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Ich lerne jetzt Englisch von mir selbst – weil YouTube das erleichtert

Kann man mit den eigenen YouTube-Videos eine Fremdsprache lernen?
Ich probiere es einfach einmal mit meinen eigenen Videos aus.

Ich lerne jetzt Englisch. Nicht in der Sprachschule, nicht aus dem Lehrbuch und auch nicht, weil ich plötzlich besonders fleißig geworden bin.

Ich lerne Englisch von mir selbst.

Das klingt zunächst etwas verrückt. Aber YouTube macht dieses Experiment inzwischen erstaunlich einfach.

Ich habe über die Jahre eine große Zahl eigener Videos produziert. Bei einem Teil davon steht inzwischen neben der deutschen Tonspur auch eine englische Audiospur zur Verfügung. Die englische Fassung meines Videos „Wikipedia weltweit erkunden“ habe ich deshalb einmal ganz bewusst als Lernmaterial betrachtet.

Der Vorteil ist für mich offensichtlich:

Ich kenne den Inhalt bereits. Ich weiß, was ich auf dem Bildschirm zeige, welche Beispiele kommen und was ich mit meinen Erklärungen ausdrücken möchte. Neu ist eigentlich nur die Sprache.

Damit entsteht eine interessante Lernsituation:

Bekannter Inhalt + unbekannte Sprache = Lernen mit Kontext.

KI-Mitwirkung: Die englische Audiospur dieses Videos wurde nicht von mir selbst auf Englisch gesprochen. Sie wurde von YouTube automatisch erzeugt. Grundlage ist mein deutschsprachiger Originalvortrag. Die Übersetzung und die synthetische englische Stimme stammen somit aus dem KI-gestützten YouTube-Verfahren. Das im Folgenden dokumentierte Experiment besteht gerade darin, diese automatisch erzeugte englische Fassung als persönliches Lernmaterial zu verwenden und ihre Qualität kritisch zu beobachten.

Zunächst höre ich mir mein eigenes Video auf Deutsch an

Hier ist zunächst das Originalvideo:

Das Video zeigt, wie sich Wikipedia mithilfe einer Excel-Arbeitsmappe systematisch über verschiedene Sprachversionen und Jahrgänge erkunden lässt.

Ich erkläre dabei unter anderem die Excel-Funktion HYPERLINK, relative und absolute Zellbezüge, die Ausfüllfunktion und die Möglichkeit, aus Sprachcodes und Jahreszahlen automatisch passende Wikipedia-Adressen zu erzeugen.

Aber für mein Sprachlern-Experiment ist etwas anderes entscheidend:

Ich weiß bereits, worüber ich spreche.

Jetzt kommt die gleiche Präsentation mit englischer KI-Stimme nach der von mir persönlich gesprochenen Einleitung, die ich in den ersten 2 Minuten in Deutsch gesprochen habe:

Das ist für mich interessant, weil damit nicht einfach irgendein fremder englischer Text vorliegt. Es ist mein eigener Vortrag – nur in einer anderen Sprache.

Ich kann also hören:

Wie klingt mein eigener Inhalt auf Englisch?

Und damit entsteht eine zweite interessante Frage:

Kann ich meinen eigenen Vortrag benutzen, um mein Englisch zu verbessern?

Der zweite Teil des Experiments

Hier achte ich nicht darauf, ob die Übersetzung perfekt ist, sondern ob ich den Inhalt bereits so gut kenne, dass ich die englische Fassung verstehen kann.

Warum das für mich leichter sein könnte als ein normales Englisch-Video

Bei einem unbekannten englischen Video habe ich häufig zwei Aufgaben gleichzeitig:

  1. Ich muss verstehen, worum es inhaltlich geht.
  2. Ich muss verstehen, was die englischen Wörter und Sätze bedeuten.

Bei meinem eigenen Video fällt die erste Aufgabe weitgehend weg.

Ich weiß schon:

  • warum ich die Excel-Datei geöffnet habe,
  • warum ich das Jahr 1954 auswähle,
  • warum ich zwischen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Spanisch, Japanisch oder Chinesisch wechsle,
  • warum ich Martin Luther oder Paulus erwähne,
  • und was ich mit dem Vergleich der Wikipedia-Sprachversionen zeigen möchte.

Damit kann ich mich viel stärker auf die Sprache konzentrieren.

Besonders interessant sind dabei die Fachbegriffe.

Wenn ich beispielsweise in einem künftigen englischsprachigen Vortrag über Excel, Wikipedia, Datenanalyse oder adaptive Kommunikation sprechen möchte, bekomme ich die englischen Begriffe nicht isoliert aus einer Vokabelliste präsentiert. Ich höre sie in meinem eigenen fachlichen Zusammenhang.

Und noch ein Vorteil: Ich kann mir selbst beim Sprechen zuhören

Vielleicht ist das der ungewöhnlichste Teil dieses Experiments.

Ich kann meinen Vortrag zunächst auf Deutsch hören und unmittelbar danach die englische Fassung.

Damit bekomme ich einen direkten Vergleich:

Was habe ich auf Deutsch gesagt?

und:

Wie klingt derselbe Gedanke auf Englisch?

Das könnte beispielsweise bei der Vorbereitung eines englischsprachigen Vortrags interessant sein.

Ich könnte einen deutschen Vortrag zunächst aufnehmen, die englische Audiospur von YouTube erzeugen lassen und sie anschließend als eine Art sprachliche Probe verwenden.

Nicht unbedingt, um den Text einfach auswendig zu lernen.

Sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen:

Wie würde mein eigener Inhalt auf Englisch klingen?

Allerdings: Die KI macht Fehler

Und genau hier wird das Experiment noch interessanter.

Der englische Audiotrack ist durchaus verständlich. Aber er klingt an manchen Stellen deutlich nach automatischer Übersetzung.

Im Transkript finden sich beispielsweise Formulierungen wie:

„To do this I will now release the screen.“

Das ist verständlich, aber für einen englischen Muttersprachler wäre hier wahrscheinlich eine natürlichere Formulierung zu erwarten.

Auch „learning launch project“, „language area“ oder manche historischen Namen und Begriffe wirken wie Ergebnisse einer automatischen Übersetzung, bei der der Zusammenhang nicht immer vollständig erfasst wurde.

Das stört mich bei diesem Experiment nicht besonders.

Im Gegenteil.

Denn genau daran kann ich lernen.

Ich kann fragen:

Was hat YouTube hier eigentlich aus meinem deutschen Satz gemacht?

Und anschließend:

Wie würde ein guter englischer Sprecher denselben Gedanken formulieren?

Damit wird aus der automatischen Übersetzung nicht nur ein Lernmittel, sondern gleichzeitig ein Gegenstand des Lernens.

Vom eigenen Video zum persönlichen Sprachtrainer?

Ich finde diese Idee deshalb bemerkenswert.

Meine eigenen Videos bilden inzwischen eine Art persönliches Archiv meiner Interessen und Kenntnisse.

Mit einer englischen Audiospur können daraus zusätzlich persönliche Lernmaterialien werden.

Ich muss dafür nicht erst einen neuen Kurs produzieren.

Ich kann vorhandene Inhalte wiederverwenden:

Ich kenne das Thema.
Ich kenne meine Beispiele.
Ich kenne meine eigenen Gedanken.
Neu ist die Sprache.

Vielleicht ist das eine ganz interessante Form des selbstgesteuerten Lernens.

Nicht:

„Ich lerne Englisch, indem ich irgendeinen fremden Lehrtext durcharbeite.“

Sondern:

„Ich lerne Englisch, indem ich mir selbst bei meinen eigenen Themen zuhöre.“

Und genau deshalb heißt dieses Video:

„Ich lerne jetzt Englisch von mir selbst“

Ob das wirklich funktioniert?

Das möchte ich nicht vorher behaupten.

Ich probiere es einfach aus.

Und vielleicht ist gerade das der interessante Teil dieses kleinen Experiments:

Kann KI aus meinen anderen eigenen Veröffentlichungen Lernmaterial für mich machen?

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