KR&KI: Was macht eine KI aus einer historischen Lücke?
https://chatgpt.com/c/6abf1dbe-9350-83ed-baa4-08b432c82751
Manchmal beginnt ein Beitrag nicht mit einer gefundenen Quelle, sondern mit dem Fehlen einer Quelle.
Für mein Projekt GlobalYearbook beschäftige ich mich mit der Frage, wie Geschichte über Jahrtausende hinweg in unterschiedlichen Sprachversionen der Wikipedia dargestellt wird. Dabei führt die Zeitachse zwangsläufig zu einem besonders interessanten Punkt: dem Übergang von „vor Christus“ zu „nach Christus“. Doch gerade dort, wo unsere heutige Zeitrechnung ihren Bezugspunkt hat, fehlt das, was wir aus heutiger Sicht eigentlich erwarten würden: eine zeitgenössische Geburtsurkunde.
Was wäre also, wenn man diese fehlende Urkunde einfach einmal als Gedankenexperiment sichtbar macht?
Ich habe dazu die KI aufgefordert, eine fiktive Geburtsurkunde für Jesus zu gestalten – nicht als Beleg für seine Geburt zu einem bestimmten Zeitpunkt und schon gar nicht als historische Quelle, sondern als visualisierte Frage an unsere Vorstellung von Geschichte und Quellen.
Das Ergebnis ist auf den ersten Blick verblüffend. Die KI erzeugt genau jene Merkmale, die wir mit einer amtlichen Urkunde verbinden: Behörde, Formularsprache, Datum, Geburtsort, Eltern, Stempel und Unterschrift. Gerade dadurch wird das Experiment interessant. Denn eine KI kann eine überzeugend aussehende historische Quelle erzeugen, obwohl die dargestellte Urkunde niemals existiert hat.
Damit berührt dieses kleine Experiment ein wesentlich größeres Thema meiner KR&KI-Veröffentlichungen: Wie unterscheiden wir zwischen einer plausiblen Darstellung und einem belegten historischen Sachverhalt?
Die fiktive Urkunde ist deshalb keine Antwort auf die Frage, wann Jesus tatsächlich geboren wurde. Sie ist ein bewusst künstlich erzeugtes Objekt, das die Frage nach Quelle, Beleg, Plausibilität und Wahrheit sichtbar machen soll.
Vielleicht liegt gerade darin eine interessante Aufgabe für den Umgang mit generativer KI: Sie kann uns fehlende Quellen nicht ersetzen. Sie kann uns aber dabei helfen, die Bedeutung fehlender Quellen deutlicher zu erkennen.




