Deutschland hat Kreativität zu bieten

Hierzulande gibt es innovative Softwareentwicklungen aber leider kein effizientes Marketing zur Monetarisierung und auch keine nennenswerte staatliche Förderung der Einsatzmöglichkeiten. Den Karlsruher Ingenieur Niko Fostiropoulos nenne ich hier als Beispiel. Er ist aktives Mitglied der „Linken“ und Gründer und Geschäftsführer des Bildungsunternehmens alfatraining. Als glaubwürdiger Visionär steht er für barrierefreie Bildung in Europa. Das konnte der Autor persönlich als Teilnehmer am Neujahrempfang seines Unternehmens erleben. Eingeladen war er wegen seiner mehrfachen Dozententätigkeit zum Thema Europäischer Computerführerschein. Das Karlsruher Startup wird aus vielerlei Gründen keine hinreichende Unterstützung erfahren, obwohl die Lösung alfaview® des Unternehmens in der Praxis sehr überzeugend ist und auch oft auf Bildungsmessen (Learntec, Didacta,…) präsentiert wird.
Nur der größte europäische Softwarehersteller SAP konnte als wichtiger Kunde gewonnen werden und setzt alfaview für Präsenzschulungen per Videokonferenz ein. Das ist ein Ritterschlag für die Qualität des Produktes. Es ist aber kein Garant für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Dafür bräuchte die Lösung des links-denkenden Unternehmers eine Lobby. Die hat er nicht und die wird er wahrscheinlich auch nicht bekommen. Das ist schade, weil bald wieder zukunftsweisende deutsche Technologie von anderen Ländern adaptiert wird und dann dort die Ernte eingefahren wird.

Verpasste Chancen haben Tradition

So etwas hat Tradition: In der Geschichte zur Erfindung des Telefons kommen viele Deutsche Namen zum Vorschein: Gauß, Weber und Reis. Das Geld als Patentinhaber haben dann amerikanische Unternehmen geerntet (Bell). In Deutschland fuhren schon 1903 Schienenfahrzeuge von AEG und Siemens mit über 200 km/h. Heute kann man hierzulande immer noch Züge bauen, aber in China wird mit der Massenproduktion von Weiterentwicklungen deutscher Technik das Geld verdient. Konrad Zuse hat im Jahre 1941 den Z3 Computer gebaut. Es war der erste funktionstüchtige, vollautomatische, programmgesteuerte und frei programmierbare, in binärer Gleitkommarechnung arbeitende Rechner. Dieser erste funktionsfähige Computer der Welt wurde am 21. Dezember 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Vom Krieg und seine Folgen hat sich Zuses Unternehmen nie wieder erholt. Heute stellt China die meisten Computer her.

Vom Ländle geförderte Startups sind zu klein angelegt

Nicht nur dem deutschen Unternehmen alfatraining sondern dem in der 120 km entfernten Stadt Göppingen gegründeten Unternehmen TeamViewer droht, dass es mangels einer Lobby im eigenen Land und trotz eines sehr guten Produktes keine Ernte seiner Kreativität einfährt. Möglicherweise stehen chinesische Investoren bereit, um das Knowhow abzugreifen. Kuka und Co. lassen nicht nur aus China grüßen, sondern zeigen den wahrscheinlichsten Weg bei der Verwertung deutschen Knowhows. Innovationen im Bereich der Bildung benötigen eine Lobby. Bildung ist Ländersache und da ist es unwahrscheinlich, dass man sich zusammentut, um Deutschland oder Europa als Standort für Innovationen zu sichern. Wenn man an die verpassten Chancen beim Schienenverkehr und der Computerentwicklung denkt, befürchtet man die Wiederholung der Fehler. Durch Artikel wie den im Spiegel: KÄMPFEN UND KUNGELN http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13680751.html scheinen positive Auswirkungen von Lobbyismus kaum möglich. Das schändliche Gebaren der NRA in den USA bestätigt den Artikel und verhindert positive Ansätze.

Verschlafen von Innovationen bewirken den Abstieg 

„Ballmer Laughs at iPhone“ dokumentiert, wie man sein eigenes Unternehmen (Microsoft) durch das nicht rechtzeitige Erkennen zukunftsweisender Entwicklungen in die Zweitklassigkeit bringt. Das gilt für Unternehmen wie auch Länder. Deutschland hat sehr gute Ingenieure und Entwickler, aber sie haben nur zweitklassige Vermarkter und Lobbyisten (=Netzwerker).

Deshalb droht Produkten wie alfaview und blizz ein ähnliches Schicksal wie früheren deutschen Entwicklungen: Entwickelt in Deutschland, übernommen von China oder den USA. Dort werden sie dann richtig vermarktet. Das ärgert Menschen, die Potenziale erkennen und zusehen müssen, wie schnell die Patente hier entwickelter Technologie global verramscht werden.

Bildung ist die einzige Ressource, die sich durch Gebrauch vermehrt

Gerade bei Technologien zur Förderung von Bildung und Ausbildung wäre eine gute europäisch denkende Lobby wichtig. Mit den beiden beschriebenen Entwicklungen aus dem Ländle (blizz und alfaview) können die Reichweite und Nachhaltigkeit verbessert werden. Selbst Insider wie der Autor erkennen die enormen Vorteile erst auf den zweiten Blick: Im direkten Vergleich zur Unterrichtswirksamkeit wird eine Anwesenheit im gleichen Raum immer besser abschneiden als der Präsenzunterricht per Videokonferenz, weil alle Sinne angesprochen werden können, weil die Ablenkung durch die Umgebung für alle gleich ist und weil die Einhaltung von Regeln besser überwacht werden kann. Der Autor hat viele Jahre Vorbereitungskurse zum Europäischen Computerführerschein (ECDL) in der althergebrachten Form durchgeführt. Als Teletutor benötigte er ca. 20% mehr Zeit, um den gleichen Stoff zu vermitteln und um dann vergleichbare Prüfungsergebnisse zu erzielen.

Diese 20 % Zeitverlust lassen sich allein schon durch den Wegfall der Anfahrtskosten und der Anfahrtszeit hereinholen.

Vorteile durch Entwicklung der Medienkompetenz

Aber dann kommen die Pluspunkte für viele schulische Veranstaltungen, d.h. die Vorteile die man durch den Einsatz von alfaview und blizz haben könnte:
Die im Fernsehbericht sichtbare schlechte Qualität der Bildübertragung der ostfriesischen Inselschule liegt 6 Jahre zurück. Bei digitalen Themen ist das sehr lange und die gezeigte Technik ist abgesehen vom großen Bildschirm museumsreif. Heute bedarf es neben handelsüblicher Hardware bei den Schülern (BYOD) nur eines gut ausgebauten WLANs in der Schule, um die folgenden Optionen zu nutzen:

  • Standort-übergreifende Veranstaltungen zur Information und Diskussion können leicht angesetzt werden. Die Reisezeiten entfallen
  • Mit Zustimmung der Beteiligten lassen sich (derzeit nur mit blizz) komplette Veranstaltungen zur Dokumentation und zum Nacharbeiten aufzeichnen
  • Externer Fachleute können per virtueller Face-to-Face Konferenz einbezogen werden
  • Stundenweise Weiterbildung von Lehrpersonal ist ohne Unterrichtsausfall möglich
  • Landesweite Rekrutierung von Fachlehrern für Mangelfächer via Videokonferenz
  • Barrierefreie Teilnahme am Unterricht, falls Schüler entweder gar nicht oder nur mit hohem Aufwand eine Schule besuchen können
  • Umsetzung überregionaler Bildungsangebote zur Förderung der Besten
  • Verhinderung von Nachteilen bei kleinen Schulen im ländlichen Raum: durch überregionales Fachlehrer-Sharing via Teletutoring für die Schüler
  • Interkultureller Unterricht mit Muttersprachlern per Videokonferenz auch außerhalb des immer seltener stattfindenden Schüleraustauschs
  • Häufiger direkter Kontakt mit muttersprachlichen Lehrern und Schülern aus anderen Sprachräumen

Damit die Disziplin in den vom fernen Lehrer getrennten Klassen nicht leidet und technisch weniger versierte Schüler in der Anfangsphase unterstützt werden können, wird möglicherweise ein Assistent vor Ort benötigt. Bei alfatraining hat der Autor die Erfahrung gemacht, dass das auch bei Erwachsenen so ist.

Weitere Optionen: Teletutoring für Zuwanderungswillige und Fern-Mentoring

Die leistungsfähige Videokonferenz-Software ermöglicht Teletutoring für Zuwanderungswillige und sie ermöglicht Mentoring aus der Ferne. Das geht weit über die Möglichkeiten von E-Mail und Telefon hinaus, weil die im Ländle entwickelte Software der realen Anwesenheit im Raum gefühlt schon sehr nahekommt.

Wissenschaftssprache Deutsch
Am eigenen Wohnort gibt es selten Lehrer, welche die zu lernende Fremdsprache als Muttersprache sprechen. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass man einen muttersprachlichen Mentor findet, der auch den zum Studienabschluss passenden Fachjargon spricht. Aus der Ferne wirkende muttersprachliche Mentoren könnten über passende Netzwerke den Praxisbezug herstellen. Selbst wenn sie zusätzliche Kosten verursachen, kann das Auslandsstudium insgesamt preiswerter werden: Die chinesischen Ansprechpartner des Autors hatten mehrere hundert Stunden Deutsch bei ihren chinesischen Lehrern gepaukt. Dann kamen sie zum Studium nach Deutschland und fielen durch die DSH-Prüfung. Sprachkompetenz auf akademischem Niveau kann nur unzureichend durch das Pauken von Vokabeln und durch ein Studium von üblichen Sachtexten erworben werden. Lehrkräfte der Kasseler Uni haben die von ihnen erkannte Misere in einem Zeit-Artikel treffend beschrieben. http://www.zeit.de/2017/13/internationale-studenten-deutschkenntnisse-universitaet/komplettansicht

Wenn keine Kontakte zu Muttersprachlern vorkommen, bleibt Sprachunterricht praxisfern. Selbst wenn sie in Deutschland angekommen sind, bleiben Menschen aus anderen Kulturen oft isoliert, weil ihre Andersartigkeit und unsere Ängste und Vorurteile den direkten interkulturellen Austausch erschweren. Einige tausend Euro für zusätzliche Sprach-Schulung im Ausland (Deutschland) sind zu investieren. Die Aufenthaltsdauer bis zum angestrebten akademischen Abschluss muss um ein bis zwei Semester verlängert werden.

Der Autor war selbst als Mentor aktiv. Er hat sich praxisnahe Lektionen von seinem chinesischen Mentee vorschlagen lassen. Gemeinsam hat man dann drei Projekte als OER für andere Studenten erstellt und veröffentlicht. Man kann sie sich auf einer Moodle-Plattform ansehen, wenn man sowohl beim Anmeldenamen als auch beim Kennwort ein kleines a eingibt: https://bluepages.moodlecloud.com

Teletutoring, Coaching und Mentoring via Internet – Qualifizierung ohne Grenzen

Viele Länder Europas brauchen Zuwanderung. Gesucht sind jedoch nur integrationswillige Zuwanderer, welche sich durch Arbeit ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren können. Ohne Sprachkenntnisse geht nichts. Was liegt da näher, als die Sprachkompetenz schon im Heimatland zu fördern. Wer ein Angebot zum Erlernen der deutschen Sprache per Videokonferenz annimmt und am Ende ein anerkanntes Zertifikat gemäß den Sprachniveaustufen nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen erhält, beweist enormen Leistungswillen. Derart motivierte Zuwanderer können schneller integriert werden, als jemand ohne deutsche Sprachkenntnisse, der zufällig von irgendwelchen Schleppern an europäischen Küsten abgesetzt wird. Absehbare Integrationsprobleme wegen fehlender Sprachkenntnisse und unrealistischer Vorstellungen über die Anforderungen an Zuwanderer könnten Menschen ohne Sprachbegabung und Leistungsbereitschaft abhalten, nach Europa zu flüchten. Deren Fernbleiben wegen desillusionierender Fern-Aufklärung entlastet europäische Sozialsysteme genauso wie eine verkürzte Eingliederungsdauer der per Internet unterrichteten Zuwanderer.

Das Geld für die Weiterentwicklung von alfaview verdient der genannte Unternehmer mit geförderte Weiterbildung für Arbeitssuchende. Da ist dank geringer Arbeitslosigkeit kaum Wachstum möglich. Jetzt wäre es sinnvoll, die bewährte Technik im gesamten Bildungsbereich zu einzubringen, um die Reichweite von fähigen Lehrern und Mentoren zu erhöhen. Der Autor selbst könnte sich vorstellen, dass er als über 60-jähriger Mentor regelmäßig Mentees mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten per Internet-Konferenz an seinen Erfahrungen teilhaben lässt: Komme mit Menschen zusammen – schnell, sicher und von überall!