Im Video wird der nachstehende Text von Konrad Rennert gesprochen. Über die Einstellmöglichkeiten im YouTube-Video können Sie die Untertitel in 22 Sprachen auswählen.
Am 25. September 2016 da war das Wetter schön. Wir entschlossen uns spontan zu einem Herbstausflug in die Rhön.

Die Rhön ist ein Gebirge in der Mitte Deutschlands. Der höchste Berg ist die Wasserkuppe mit 950 m Höhe. Die Wasserkuppe auch ist der höchste Berg in Hessen. Man erkennt sie schon von Weitem an der kugelförmigen ehemaligen Radarstation.

Seit der deutschen Wiedervereinigung hat der Berg seine militärische Bedeutung verloren. Jetzt hat er nur noch Bedeutung für den Tourismus. Etwa 10 Kilometer südlich liegt der Kreuzberg. Mit 927 m über dem Meeresspiegel ist er der dritthöchste Berg der Rhön. Der Kreuzberg ist aber der bekannteste Berg in der bayerischen Rhön.

Wahrscheinlich gab es schon in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte auf dem Berg. Wer zu den drei Wallfahrtskreuzen laufen möchte, kann entweder die steinerne Treppe laufen oder über den längeren Kreuzweg. Der Weg enthält 14 Stationen, welche den Gang von Jesus zu seiner Hinrichtungsstätte auf einem Hügel bei Jerusalem darstellen. Die 14. und letzte Station zeigt, wie er im Grab liegt.

Die Anlage von Wallfahrtsorten wie dem Kreuzberg hatte wirtschaftliche Aspekte. Die Klöster erzielten Einnahmen von den Wallfahrern. Das tun sie auch heute noch. Die Handwerker erhalten Aufträge und die lokale Wirtschaft hat mehr Umsatz. Der Kreuzweg wurde 1710 errichtet und seitdem mehrfach restauriert. Er ist einer der ältesten seiner Art in Deutschland. Die Sandsteinfiguren am Weg stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Vom Podest bei den drei Kreuzen hat man bei klarer Sicht einen weiten Blick über die hohe Rhön. Die Berge haben vulkanischen Ursprung. Die Hochflächen bestehen aus geschlossenen Basaltdecken. Die Kuppen entstanden durch punktförmige Lavaaustritte durch das ältere Gestein aus dem Buntsandstein, dem Muschelkalk und dem Keuper.

Die weite Sicht über das Umland ist ein Grund für die Beliebtheit der Rhön bei Wanderern. Seit dem Jahr 1991 ist die Rhön länderübergreifend von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Das „Land der offenen Weiten“ oder das „Land der offenen Fernen.“ Es ist eine vom Menschen geschaffene Landschaft mit vielen Wiesen und Weiden. In dieser Kulturlandschaft leben zahllose Tier- und Pflanzenarten, darunter viele gefährdete Arten.

Den Kreuzberg überragt ein 227 m hoher Mast des Bayerischen Rundfunks. Er wird nicht nur zur Ausstrahlung von Rundfunk- und Fernsehsendungen genutzt, sondern auch von zahlreichen Funknetzbetreibern.

Der Hauptgrund zum Besuch des Klosters an schönen Tagen ist wahrscheinlich weniger die Frömmigkeit, sondern der Bierausschank. Die Brauerei besteht seit dem Jahre 1731 und hat einen Jahresausstoß von 8500 Hektolitern. Es werden die Sorten Dunkel, Pils, Hefeweizen und Weihnachts-Bock gebraut.

Für Besucher, die nicht nur an der Brauerei interessiert sind, gibt viel zu staunen: Wer der Meinung ist, dass eigene Gebete wenig helfen, kann seine Anliegen auf einen Zettel schreiben. Für ein Honorar oder eine Spende von 10 Euro schließen die Mönche und Geistlichen den Spender in ihre Fürbitten ein. Mit einer ähnlichen Methode wurde zur Zeit der beginnenden Reformation auch schon der Petersdom in Rom finanziert. Details finden Sie, wenn Sie das möchten man unter dem Begriff „Ablass“.

Wer den Friedhof des Klosters besucht, findet auf den Grabinschriften die Abkürzung OFM. Das steht für die lateinischen Worte „ordo fratrum minorum“ und bedeutet in der deutschen Übersetzung Orden der Minderen Brüder.

Auf dem Heimweg machten wir noch eine Rast in Tann. Das ist ein Städtchen in der nördlichen Rhön. Die erste Siedlung soll schon im 8. Jahrhundert von irischen Mönchen gegründet worden sein.

Wenn man mit dem Auto vom Süden in die Stadt fährt, muss man an der Ampel vor dem Stadttor warten. Das bekannte Stadttor lies Eberhard von der Tann bauen. Er war Anhänger und Freund des Reformators Martin Luther.

1534 berief er den ersten evangelischen Pfarrer nach Tann. Das führte zum Streit mit dem in der Nähe gelegenen katholischen Kloster beziehungsweise dessen Äbten in Fulda. Der Bau von Mauer und Stadttor diente damit zum Schutz der evangelischen Bürger vor der andersgläubigen Bevölkerung und deren Herrschaften aus der Umgebung.

Das Denkmal auf dem Marktplatz zeigt einen Nachfahren des Eberhard: Es ist Freiherr Ludwig Samson Heinrich Arthur von und zu der Tann. Er kämpfte als General im deutsch-französischen Krieg und er wurde hoch dekoriert. 1871 wurde ihm eine besondere Ehre zu Teil: Der Komponist Andreas Hager benannte einen Militärmarsch nach Von-der-Tann. Dieser Marsch wird auch heute noch von der Bundeswehr gespielt.