Virtuelles Bürgerhaus Gensungen

 

Reales Gemeindeleben ist Corona-bedingt fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Einrichtung virtueller Bürgerhäuser erlaubt jedoch das risikofreie Treffen per Videokonferenz. Die notwendigen Komponenten für solche Einrichtungen sind allgemein bekannt: Videokonferenzen und Lernplattformen wie sie in Schulen und Hochschulen im Einsatz sind. Das was fehlt ist das Knowhow in den Dörfern und Städten, um das Beste aus diesen Komponenten zu einem virtuellen Bürgertreff per Videokonferenz zu vereinigen. Lernplattformen, in denen nur die Schüler einer Schule oder Studenten einer Universität in geschützten Räumen mit dem Lehrkörper zusammen kommen, lassen sich auch für soziale Zwecke einsetzen. Dabei stehen die sozialen Foren als Kommunikationswerkzeug für beliebig große Gruppen im Mittelpunkt. Das verhindert überquellende Postfächer und damit heterogenem Informationsstand der beteiligten Gruppen. Per Textseite kündigen Vereine, Religionsgemeinschaften und Elterninitiativen ihre geplanten Veranstaltungen so an, dass man mit einem Klick direkt in den virtuellen Veranstaltungsraum folgen kann. Innerhalb des virtuellen Bürgerhauses gibt es keine Zugangsbeschränkungen, weil das zu bürokratisch wäre. Bewusste Störung und missbräuchliche Nutzung wird umgehend geahndet: Nach der Ermahnung folgt die Verwarnung und wenn das nicht hilft der Platzverweis (Ausschluss). Erfahrungsgemäß gibt es im überschaubaren Rahmen einer Dorfgemeinschaft kaum Grund zum Tadel. Niemand will wegen schlechten Benehmens vom weiteren Geschehen ausgeschlossen werden. Der Projektleiter Konrad Rennert wählt für das Angebot seinen Heimatort Gensungen, weil er dort viele Bewohner persönlich kennt. Wenn zwischen 1% und 10% der Gensunger teilnehmen, gibt es 30 bis 300 Besucher des virtuellen Bürgerhauses. Als langjähriger Dienstleister kennt er die Fixkosten: 30 Euro sind monatlich für den Betrieb einer permanent verfügbaren Videokonferenzplattform auf Basis eines Lernmanagementsystems zur Verwaltung der Zugänge zu kalkulieren. Im Videokonferenzraum mit seinen 50 Gruppenräumen können 100 Personen gleichzeitig mit Bild und Ton in Erscheinung treten. 250 weitere können das Geschehen als Zuschauer beobachten, wenn es Vorträge und Webinare gibt.

Die notwendige Hardware hat fast jeder Gensunger Bürger in Form von Smartphone, Tablet oder PC.

Jeder teilnehmende Bürger des Ortes sollte dennoch „datensparsam“ sein. Ein selbstgewählter Rufname und die Angabe der Straße reichen aus, um die Person als Mitbewohner des Ortes zu identifizieren. Zusätzlich kann sich jeder Teilnehmer, der das möchte, mit seinem Profil vorstellen: „Ich bin … Ich kann … Ich möchte…“ Im Rahmen des geltenden Rechts ist auf den eigenen Profilseiten auch Werbung in eigener Sache erlaubt: Händler und Gewerbetreibende können ihr Geschäft beschreiben und ihre Website verknüpfen. Schüler und Studenten können Nachhilfeunterricht anbieten. Jeder Teilnehmer darf auf seiner Profilseite auch Zugänge zum eigenen Videokonferenzsystem anbieten.

Der Projektleiter präferiert für das Gesamtkonzept die DSGVO-konforme Plattform alfaview (r). Von den ca. 10 Videokonferenzsystemen, die er kennt und nutzt, ist sie unter didaktischen Erwägungen das Optimum bei der Organisation von Gruppen- und Teamarbeit im Zusammenhang mit Bildung und Weiterbildung. Zoom und TeamViewer Meetings wurden auch im Rahmen der Plattform erfolgreich getestet. Deren Handling ist aber für den Wechsel zwischen unterschiedlichen Räumen und Veranstaltungen nicht so optimal gelöst, wie bei seiner Präferenz für die nicht privaten Videokonferenzen, wie sie im virtuellen Bürgerhaus mit 50 Räumen angedacht sind.

Es ist lästig, bei jedem Raumwechsel eine neue Meeting-ID bzw. ein Kennwort einzugeben. Im virtuellen Bürgerhaus geschieht der Raumwechsel per Doppelklick in den gewünschten Haupt- oder Gruppenraum.

Die denkbare Themenpalette kann von Freizeitaktivitäten in der 5. Jahreszeit: „Gensungen, wie es winkt und lacht“ bis zu unterhaltsamen und Wissen-mehrenden Quiz-Runden auf der norwegischen Kahoot-Plattform reichen.

Wer seine Performanz als Online-Kursleiter testen möchte, kann auch Weiterbildungen in Anlehnung an VHS-Kataloge erproben. Zum Beispiel den Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ für zugewanderte Gensunger in Form eines virtuellen Meetings zum Thema Heimatkunde, damit die Integration besser gelingt. Man könnte den Neubürgern auch etwas über die Ortsteile oder die Zuständigkeiten bei der Verwaltung erklären.

Senioren könnten sehbehinderten Senioren per Videokonferenz aus der Zeitung vorlesen und mit ihnen darüber sprechen.

Vereine und religiöse Gemeinschaften können ihre Video-Meetings im Wochenplan ankündigen.

Alle zugelassenen Plattformbesucher können an der kontinuierlichen Verbesserung teilnehmen. Dazu äußern sie ihre Angebote, Anregungen und Wünsche im Forum. Interessantes wird bei anderen Resonanz finden und den Aufbau fruchtbarer Kontakte fördern.

Der Initiator und Projektleiter sucht Kollegen für die Übernahme der Leitung. Wer als Berufstätiger, agiler Rentner oder Schüler der Oberstufe schon Moodle-Erfahrungen hat, kann sich von ihm online kostenlos zum Moderator, Kursleiter oder Administrator fortbilden lassen. Je nach Vorkenntnissen benötigt das nur wenige Stunden. Übungsplattformen stehen bereit, damit agil experimentiert und geübt werden kann. Sobald sich neue Administratoren sicher fühlen, können sie in anderen Ortsteilen virtuelle Bürgerhäuser aufbauen, um die Zeit des Lockdowns mangels anderer Freizeitmöglichkeiten zum Erwerb von digitaler Medienkompetenz zu nutzen. Man startet als Teilnehmer und kann überlegen, ob man in die digitale Sozialarbeit und interaktives Gemeindefernsehen einsteigt. Multiplikatoren sind willkommen.

Interessierte Gensunger (auch Ehemalige) melden sich per Mail an info@konrad-rennert.de und nennen ihre Straße zur Authentifizierung. Innerhalb einer Woche erhalten sie dann die Zugangsdaten zur Plattform mit den Links zu allen verfügbaren Videokonferenzräumen. Die Teilnahme am Projekt ist kostenlos.

Nach dem Ende des Lockdowns wird das Virtuelle Bürgerhaus wieder geschlossen, wenn sich kein Träger findet, der die monatlichen Kosten in Höhe von ca. 30 Euro und die Organisation der Moodle-Plattform übernimmt.

Weitere Informationen zum Thema:

Lockdowns erfordern Virtualisierung des Gemeindelebens