Mein Weg zur digitalen Bildung: Vom ersten Excelkurs zur Learning Lounge
- Der Anfang: Der Wunsch nach Selbstständigkeit
Meine Reise in die Welt der Bildung begann mit einem klaren Ziel: Ich wollte Excelkurse für ein Unternehmen in Kassel (Wintershall) anbieten und dadurch den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Doch obwohl dieses Vorhaben nicht wie geplant realisiert werden konnte, eröffnete sich mir eine neue Chance. Ein Unternehmen in Melsungen (B. Braun) suchte Schulungen für die damaligen Vorläufer von Microsoft-Produkten – Lotus 1-2-3 und dBase III. Diese neuen Herausforderungen legten den Grundstein für meine berufliche Entwicklung. - Erste Schritte: Eigene Lehrmaterialien und Erfolg mit Markt & Technik
Da es in den 1980er-Jahren kaum deutschsprachige Lehrbücher für diese Programme gab, begann ich, meine eigenen Schulungsskripte zu schreiben. Diese Materialien kamen bei meinen Kunden gut an. Auf der CEBIT Computer-Messe in Hannover entdeckte ich 1988 schließlich die Bücher des Markt & Technik Verlags (M&T). Sie überzeugten mich durch ihr strukturiertes Konzept, und ich schlug meinen Kunden vor, diese Werke als Ergänzung zu meinen Kursen einzusetzen.
Allerdings stellte mich der Buchverkauf vor eine bürokratische Hürde: Mein Steuerberater warnte, dass die Einnahmen aus dem Verkauf meine freiberuflichen Einkünfte in gewerbliche Einkünfte umwandeln könnten, was eine Gewerbesteuerpflicht zur Folge hätte. Gemeinsam mit meiner Frau fand ich eine Lösung: Sie meldete ein Gewerbe an und übernahm den Buchverkauf. Dieses Modell funktionierte hervorragend, und in einigen Jahren erzielten wir mit den Büchern Umsätze von bis zu 30.000 DM. - Der Wechsel zum Herdt-Verlag
In den 1990er-Jahren wechselte ich vom Markt & Technik Verlag zum Herdt-Verlag. Dessen Bücher boten ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und passten noch besser zu meinen Vorstellungen von gut bebilderten und preiswerten Anleitungen. Ich empfahl meinen Kunden fortan, die Bücher direkt beim Herdt-Verlag zu erwerben, da der Buchverkauf für mich ohnehin nur ein Mittel zur Unterstützung meiner Kurse war. - Der ECDL und der Aufstieg der E-Books
Im Jahr 2001 qualifizierte ich mich als ECDL-Trainer (European Computer Driving License). Kurz darauf stellte der Herdt-Verlag ein komplettes Sortiment an Materialien bereit, um meine Teilnehmer auf die Prüfungen vorzubereiten. Mit der Einführung von E-Books wurde der Unterricht noch effizienter. Diese digitalen Bücher waren personalisiert und sicher, da der Name des Erwerbers in die Fußzeile eingefügt wurde, um unerlaubte Weitergabe zu verhindern.
Die Möglichkeit, Inhalte direkt in Videokonferenzen zu teilen, erleichterte die Kursgestaltung erheblich. Teilnehmer konnten außerdem farbige Markierungen setzen oder die E-Books mit Kommentaren versehen – moderne Funktionen, die das Lernen unterstützten. - Der Pilotversuch: Excel 365 und die Learning Lounge
Da Excel stets das umsatzstärkste Produkt meiner Kurse war, entschied ich mich für einen Pilotversuch: Zu jedem der 21 Kapitel des Buches „Excel 365“ produzierte ich ein begleitendes Video. Die Videos, mit einer Gesamtlänge von ca. 11 Stunden, sind nur über Links auf meiner geschlossenen Lernplattform verfügbar. Teilnehmer erhalten Zugang, indem sie das E-Book mit einem Gutschein-Code erwerben, der erst nach Kursbeginn freigeschaltet wird.
Dieses Konzept ermöglicht es den Teilnehmern, sich eigenständig mit den Inhalten auseinanderzusetzen und so optimal auf die kostenpflichtigen Kursbestandteile vorbereitet zu sein. - Der Inverted Classroom: Lernen neu gedacht
Mein Bildungsansatz folgt dem Konzept des „Inverted Classroom“. Hierbei konsumieren die Teilnehmer die Lerninhalte wie Videos oder E-Books selbstständig und nutzen die gemeinsame Zeit mit dem Dozenten für Übungen, Diskussionen und Fragen.
Für jeden Kurs plane ich eine Laufzeit von sechs Monaten ein, während der die Teilnehmer rund um die Uhr Zugriff auf Videokonferenzräume haben. In den ersten Wochen betreue ich die Gruppen mehrmals wöchentlich, später reduziert sich die Betreuung auf eine Stunde pro Woche.
Diese Struktur ist nicht nur flexibel, sondern auch kosteneffizient: Mit 50 Teilnehmern pro Kurs und einer Gebühr von 150 € pro Person erzielt ein Kurs 7.500 € Umsatz. Nach Abzug der Infrastrukturkosten verbleiben ca. 5.000 € als Honorar – ein attraktives Einkommen für einen Dozenten, der mehrere Kurse parallel anbieten kann. – Bei 6 parallel gestarteten Kursen wäre das ein Monatseinkommen von 5000 Euro. - Zukunftsvision: Die Learning Lounge als Plattform für digitale Bildung
Mein langfristiges Ziel ist die Etablierung der Learning Lounge als zentrale Plattform für digitale Weiterbildung. Diese Plattform soll als Katalog fungieren, in dem Dozenten ihre Kurse und Methoden präsentieren können.
Die Learning Lounge soll folgende Elemente umfassen:
- Frei zugängliche Unterrichtsproben (z. B. ein bis zwei Kapitel eines Lehrwerks).
- Kostenpflichtige Kurse mit ergänzenden E-Books und Gutscheinen.
- KI-gestützte Selbsttests und Multiple-Choice-Fragen zur Vertiefung der Inhalte.
Besonders spannend ist die Möglichkeit, das Modell über IT-Themen hinaus auf Fachbereiche wie Wirtschaft, Gesellschaft oder Fremdsprachen auszuweiten. Mit einer gemeinnützigen GmbH als Träger könnten auch ältere Lehrkräfte und Fachkräfte der Babyboomer-Generation angesprochen werden, die nach dem Rentenbeginn nach neuen Herausforderungen suchen.
Fazit
Meine Reise von den ersten Excelkursen hin zur Learning Lounge zeigt, wie Bildung sich im digitalen Zeitalter verändern kann. Mit innovativen Konzepten wie dem Inverted Classroom und der Integration von E-Books ist es möglich, hochwertige Weiterbildung zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Die Learning Lounge ist dabei nicht nur ein modernes Bildungsmodell, sondern auch eine Vision für die Zukunft – zugänglich für Schüler, Berufstätige und Senioren gleichermaßen.