Wunsch und Wirklichkeit bei Online-Weiterbildung

Die Träger von Volkshochschulen sind Gebietskörperschaften, d.h. Gemeinden oder Landkreise und eingetragene gemeinnützige Vereine oder Gesellschaften. Entsprechend ist deren Angebot lokal ausgerichtet. Online-Angebote wirken wie unpersönliche Veranstaltungsverzeichnisse für die nächsten Monate, zu den man sich lange im Voraus anzumelden hat. Oft wollen im Beruf stehende Weiterbildungswillige nicht auf Vorrat lernen, sondern situativ, d.h. nur das, worauf es bei ihnen gerade ankommt: „Just in Time“ und „On Demand“

Anstelle des aus der Schulzeit gewohnten Lehrers, welcher das Kursprogramm im Frontalunterricht planmäßig abarbeitet, wird agiler Support auf Basis passender Fallbeispiele erwartet: Begleitetes Microlearning, um auf Veränderungen im beruflichen Umfeld zu reagieren. Wenn nötig wird Vorlesungs-ähnlicher Frontalunterricht durch MOOCs und Udemy-Kurse ersetzt. Gewünscht werden zur Ergänzung die kompetenten Ansprechpartner für die Anwendung. Diese haben nicht nur Fachwissen, sondern können auch Coaching und Personalentwicklung.

In einer 1:1 Betreuung oder in einer Kleingruppe wird die Anwendung der zu erwerbenden Kompetenzen begleitet. Durch Homeoffice und Distanzlernen während der Corona-Pandemie hat man sich an Videokonferenzen gewöhnt und damit an die Möglichkeit, sich mit weit entfernten Spezialisten auszutauschen.

Vorlagen existieren

Zur Perfektionierung von Fremdsprachenkenntnissen gibt es schon global agierende Online-Marktplätze. Sie können allgemein begutachtet werden: verbling.com (San Franzisko), italki.com (Hongkong) und preply.com (Kiew).

Wer sich dort in Fremdsprachen weiterbilden möchte, kann sofort unter tausenden muttersprachlichen Lehrerinnen, Trainern und Coaches jemanden finden, um mit ihr oder ihm per Videokonferenz den persönlichen Bedarf direkt zu besprechen.

Bevor man für eine Schnupperstunde ein paar Euro per PayPal oder Kreditkarte zahlt, schaut man sich den beruflichen Hintergrund und die Qualifikation der möglichen Weiterbildungspartner an. Es gibt aussagekräftige Beschreibungen und dazu ein Vorstellungsvideo.

Passt die Schnupper-Videokonferenz zu den Fakten und entspricht den persönlichen Vorstellungen, wird entschieden, welches Stundenkontingent man beim gewählten Lehrer oder Coach erwirbt. Bei preply.com kann man mit einer Buchung von 6 Stunden starten. In Absprache mit dem Coach oder der Lehrerin kann man die bezahlten Stunden über Tage oder Wochen verteilt einsetzen. Bei Selbstversuchen zum Thema Fremdsprachen und Programmiersprachen zeigte sich, dass es effektiv ist, wenn man asynchrone Udemy-Kurse parallel nutzt, um Fragen zur Anwendung direkt mit dem Lehrer oder Coach in der Videokonferenz zu besprechen.

Der Gesamtpreis für die skalierbare Kombination von Udemy und Preply würde nicht höher liegen als bei Volkshochschulangeboten, falls es die denn überhaupt geben würde.

Erfolgreiche Prozeduren auf alle Arten von Online-Weiterbildung transferieren

Was beim Ausbau von Fremdsprachenkenntnissen schon seit Jahren funktioniert, gilt es für alle denkbaren Weiterbildungen anzubieten.

Die Fachkräfte gibt es schon. Viele konventionell arbeitende VHS-Kursleiter könnten nach einem kurzem Intensivkurs zum Online-Coach oder Trainer weitergebildet werden. Ein weiteres Standbein verringert ihre Abhängigkeit von lokalen Auftraggebern, die in der zwei Jahre andauernden Pandemie  oft Kurse abgesagt haben. Dieser Pool kann mit nebenberuflich tätigen Lehrern, Trainern oder didaktisch begabten Studenten ergänzt werden. Hinzukommen auch Senioren mit Fachwissen und Berufserfahrung, welche bereit und fähig sind, ihr Können stundenweise per Videokonferenz weiterzugeben.

Der Geschäftsführer der bluepages GmbH zählt zu diesen Senioren. Er war jahrzehntelang als klassischer IT-Trainer bei namhaften Unternehmen tätig. Seit 6 Jahren ist persönliche Präsenz beim Kunden die Ausnahme und Videokonferenzen sind die Regel. Wegen seiner YouTube-Erklärvideos erhält er direkte Anfragen und vermutet allgemein steigenden Bedarf für Coaching und Microlearning. Im Alter von 67 plant er, mit Partnern ein Start-up zu gründen, um seine umfassende Berufserfahrung einzubringen. Ziel: Ein global sichtbarer Marktplatz für Online-Weiterbildung per Videokonferenz nach den bereits vorhandenen Mustern für das Erlernen von Sprachen. In seinen ersten Visionen aus dem Jahr 2019 kamen die Volkshochschulen noch vor: https://konrad-rennert.de/manifest-zur-gruendung-einer-vhs-2-0

Weil sich seit dem Start der Pandemie nur wenig bei der von Gebietskörperschaften betriebenen Online-Weiterbildung bei VHS getan hat, erscheinen nur noch privatwirtschaftliche Initiativen sinnvoll. Venture Capital könnte die Neugründung des Online-Marktplatzes finanzieren. Das Start-up braucht zwei Geschäftsführer (m/w): Einer verantwortet die Softwareentwicklung und ein weiterer ist für Marketing und Vertrieb zuständig. Sich selbst sieht der Autor als Berater und Aufsichtsrat, um Anfangsfehler zu verringern.

Wichtig ist die Vernetzung des Start-ups mit vorhandenen Einrichtungen, z.B. Hochschulen und Betrieben, damit Personal von dort rekrutiert oder eingebunden werden kann. Deutschland hat mit seinen Ingenieurwissenschaften und seinen bewährten dualen Bildungsgängen Standortvorteile gegenüber anderen Ländern. Der Standort Kassel liegt mitten im Land und hat zudem eine Hochschule, welche sich besonders in den angewandten Wissenschaften profiliert. Dazu kommen Firmen mit Softwareentwicklungsabteilungen, welche sich beteiligen könnten, um ihren Mitarbeitern bei einem global angelegten Gemeinschaftsprojekt interessante Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.

Ein Online-Marktplatz lässt sich im Erfolgsfall gut skalieren.

Durch die Analyse der bei italki, Preply und Verbling sichtbaren Funktionalität und Vorgehensweise lassen sich beim Start Zeit und Kosten sparen. Das Spektrum soll breiter und offener gestaltet werden. Über Schnittstellen zu soziale Netzwerken im Internet können vorhandene Profile in mehreren Sprachen verlinkt und die Mitgliedschaft und die Gründung von Themengruppen für die Weiterbildung gefördert werden.

In späteren Ausbaustufen können KI-Komponenten integriert werden, um personalisierte Vorschläge für die Weiterbildung zu unterbreiten. Fallbeispiel: „Du interessierst Dich für nachhaltiges Recycling von Kunststoffen. Die Expertin Svenja Schmidt hat gerade einen neuen Beitrag veröffentlicht. Sie steht zu einem Stundensatz von 60 Euro als Coach oder für die Projektmitarbeit zur Verfügung. Sie ist Herausgeberin des offen zugänglichen MOOCs ‚Nachhaltigkeit in der Kreislaufwirtschaft‘“

Sich beim lebenslangen Lernen zu vernetzen, erscheint wichtiger denn je. Online-Weiterbildung eröffnet die Möglichkeit, an jedem Ort mit Internet aktiv zu werden, selbst in Pandemien. Ein globaler Marktplatz trägt damit dem zukünftigen Bedarf Rechnung.

Der Autor hat im letzten Jahr eine Stoffsammlung für mögliche Anbieter, Investoren und geschäftsführende Gesellschafter zusammen gestellt: https://konrad-rennert.de/wp-content/uploads/2021/10/Digitale-Weiterbildung-organisieren.pdf

Das YouTube-Video „Geschäftspartner zur Gründung eines Online-Weiterbildungsmarktplatzes gesucht“ führt Interessenten auf Basis einer mit dem Notebook aufgezeichneten Präsentation in die Thematik ein: https://www.youtube.com/watch?v=xMH17lHECjQ

Nie war es einfacher eine gemeinsame Vision umzusetzen und den Dialog zu beginnen: videokonferenz@konrad-rennert.de